Konzert am 14.11.9
up (1996-98) - UA
Púsline (1997/98) - UA
down (1996-98) - UA
Ivar Frounberg (* 1950)
...to arrive where we have started (1993) - ÖE
Synchronaufführung von up und down (1996-98) - UA
1970 begann er in Freiburg/Breisgau Musiktheorie, Klavier und Dirigieren zu studieren. Ein Studium der Komposition bei Wolfgang Fortner und der Musikwissenschaft bei Elmar Budde folgten. 1973 wechselte er nach Köln, um bei Stockhausen zu studieren. 1977 schloß er seine Dirigentenausbildung bei Francis Travis in Freiburg ab. 1978 und 1979 erhielt Platz ein Stipendium der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks und lebte danach längere Zeit in den USA und Paris. 1980 besuchte er einen Computerkurs für Komponisten am Pariser IRCAM. Dort entstand das Zuspielband für sein Stück Chlebnikov für Kammerensemble und Tonband (1980), das beim Brüsseler IGNM-Fest 1981 uraufgeführt wurde. 1980 gründete Platz in Köln das Ensemble Köln, mit dem er gleich im ersten Jahr seines Bestehens (1981) seine Kompositionen Zusammenfinden (1973), das Bläsertrio Für Rolf (1978/79) und das Violinstück Maro aus Maro & Stille (1980) zur Uraufführung brachte. Für das auf zeitgenössische Musik spezialisierte Ensemble schrieben Komponisten wie Scelsi, Xenakis, Kagel, Sylvano Bussotti oder Klaus Huber. Gastdirigate ließen Platz mit Ensembles und Orchestern wie dem Ensemble Modern, dem Ensemble 2e2m, dem Klangforum Wien, dem Deutschen Sinfonieorchester Berlin, der Bayerischen Staatsoper und dem Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester zusammenarbeiten. 1989/90 lebte Platz im Künstlerhof Schreyahn, wo das mehrteilige Werk SCHREYAHN für Orchester, Solo-Violoncello, Flöte, Trompete, Sopran, zwei Klaviere und Bläser entstand. 1990 verbrachte er einige Wochen in der Villa Serbelloni als Composer in Residence auf Einladung der Rockefeller Stiftung. Zwei Jahre später folgte ein längerer Japanaufenthalt. Seine gesammelten Schriften unter dem Titel Schriften zur Musik 1979-93 erschienen 1993. Platz hat eine starke Affinität zur Malerei, die sich sehr deutlich in seinem zweiten musiktheatralischen Werk Dunkles Haus zeigt. Lehrtätigkeit: seit 1986 Dozent bei den Darmstädter Ferienkursen, seit 1990 Kompositionsklasse an der Musikhochschule Maastricht.
Die Kompositionen up und down sind Teile des Zyklus up down strange charm, dessen Uraufführung nächstes Jahr stattfinden wird. up down strange charm entstand als Zyklus von Partituren, die sowohl einzeln als auch in verschiedenen Kombinationen bis zum Tutti als Musik im Raum gespielt werden können. Der räumliche Aspekt entspringt dabei einem inneren Zwang, die verschiedenen Stränge polyphoner Schichtungen mit dem Gehör leichter trennen zu können. Gleichzeitig ist er eine Hommage an die jeweilige architektonische Situation der Uraufführungen. up und down wurden für das SCHÖMER-HAUS in Klosterneuburg bei Wien geschrieben, einen sehr hohen, offenen Raum mit ringförmig angeordneten Balkonen und einer den Raum optisch beherrschenden Treppenkonstruktion. strange und charm entstanden zur Eröffnung des Konzertsaales des von dem Architekten Arata Isozaki gebauten International Art Village Akiyoshidai in Japan - ein Raum, der sich nach draußen öffnet, und der einen kleinen Teich mit einer Insel zu integrieren vermag. Die Titel dieser "Architekturstücke" sind der Teilchenphysik entnommen: "Ups" und "downs" sind die Bausteine der den Atomkern, also alle Materie bildenden Protonen und Neutronen; "strange" und "charm" heißen weitere Partikel höherer Energie. Sie sind also Teilchen (Quarks) in verschiedenen Energiezuständen, deren Möglichkeiten, für sich alleine oder als Teil eines Ganzen aufzutreten, an die Aufführungsmöglichkeiten dieser Komposition erinnern. Die Arbeit an diesem Zyklus umfaßt darüber hinaus einige Vorstudien und "Echos": das zuerst geschriebene main FLeur (Echo III) als Studie über Synchronisierungsfragen des Zyklus; Echo IV für Violoncello solo als vorbereitende Studie zu up; die Shô-Studie senko-hana-bi sowie Echo V für Bratsche, Shô und Tonband (ein Weiterschreiben von charm); Tau (über Echo V) für Bratsche, Shô, Tonband und Streicher und die Orgelkomposition Echo VI.
Die kompositorischen Elemente von up sind einfach: Akkordfolgen, zur Mehrstimmigkeit sich auffaltende Linien und langsam gespielte Skalen sind das ganze Material. Aus verschiedenen Entwicklungen dieser drei Wurzeln entsteht die musikalische Form: Akkorde 1 - Pfeil 1 (in den Skizzen war dies der Name für die linearen Teile; diese Bezeichnungen wurden nicht in die endgültige Partitur übernommen) - Akk 2 - Pfeil 2 - Akk 3 - Skala 1 - Pfeil 3 - Skala 2 - Pfeil 4. up heißt: Entwicklungsmöglichkeiten geben, wachsen lassen, Steigerung, aufwärts ... up entstand 1996/97 im Auftrag des SCHÖMER-HAUS Klosterneuburg und ist Kristi Becker gewidmet.
down - hinab, abnehmen, leiser werden, langsamer werden,
zurücknehmen, weniger von ...
Robert HP Platz
Von 1990 bis 1993 studierte er an der Musikakademie Vilnius Komposition bei Vytautas Barkauskas und Lionginas Abarius (Dirigieren). Die Jahre 1993-97 verbrachte Baltakas in Karlsruhe, wo er sein Studium an der Hochschule für Musik bei Rihm und Andreas Weiss fortsetzte. Seit 1994 studiert Baltakas außerdem Dirigieren und Interpretation bei Peter Eötvös; die Teilnahme an diversen Meisterkursen führte ihn nach Ungarn (Internationales Bartók-Seminar, Szombathely), Frankreich (Centre Acanthes, Avignon), Deutschland (Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik) und Österreich ("Extreme" in Mürzzuschlag). 1994 bis 1996 war er Assistent am Studio für Elektroakustische Musik in Karlsruhe sowie Assistent an der dortigen Opernschule. 1995 bis 1997 war er Assistent von Peter Eötvös und im Jahr 1997 leitete er die Produktion von Stockhausens Am Himmel wandere ich ... an der Kammeroper Schloss Rheinberg. Preise und Stipendien: Irino-Preis für Kammermusik/Tokyo (1993), Stipendium der Heinrich-Strobel-Stiftung (1996), Stipendium der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik (1996), Stipendium des Herrenhauses Edenkoben, Deutschland (1997), Erasmus-Stipendium für Paris (1998).
Púsline (litauisch, sprich pu:s'line) bedeutet blasen/Blase.
Vykintas Baltakas
1976 schloß er am Königlichen Konservatorium Kopenhagen seine Ausbildung zum Organisten ab. Frounberg entschied sich erst relativ spät für eine Komponistenlaufbahn, und nur wenige seiner Kompositionen vor Mitte der 80er Jahre läßt er als Werke gelten. Frounbergs Werke neueren Datums teilen sich grundsätzlich in zwei Kategorien: Computermusik und Stücke, die Erfahrungen mit der Computermusik auf die Arbeit mit traditionellen Instrumenten und Ensembles ausdehnen. Ivar Frounberg hat eine Assistenzprofessur für elektroakustische Musik und Computermusik an der Königlichen Musikhochschule in Kopenhagen. Bis 1994 gehörte er den Leitungsgremien der dänischen Urheberrechtsgesellschaft und des Komponistenverbandes an. 1994 war er musikalischer Koordinator der Computer-Musiktage in Århus; 1996 Vorsitzender des Organisationskomitees für die Weltmusiktage der IGNM in Kopenhagen. Bei zahlreichen Festivals wurden Werke von Ivar Frounberg aufgeführt. 1997 war ihm ein Komponistenportrait im Rahmen des Musikhøst-Festivals in Odense gewidmet, bei dem vier Werke von ihm uraufgeführt wurden. Lehrtätigkeit: Assistenzprofessur für elektroakustische Musik und Computermusik an der Königlichen Musikhochschule in Kopenhagen. Preise: u. a. Carl-Nielsen-Kompositionspreis.
... to arrive where we started ist ein "unterdrücktes" Drama mit einem Vorspiel und einer ausgedehnten Koda. Eine Maschinerie setzt sich in Bewegung, in der der Sopran und die Viola den Gegenpol zur mechanischen Struktur der übrigen Instrumente bilden. Der Text ist so ungewöhnlich wie eine erfundene Sprache, mit einem entschieden autobiographischen Element. Oft bin ich überrascht von der klaren dramatischen Struktur, die abstrakte musikalische Formen hervorzubringen imstande ist. Keinesfalls bin ich der Überzeugung, dass Musik "etwas bedeuten" oder gar "eine Geschichte erzählen" sollte. Meine Musik soll ein abstrahierter Sinneseindruck sein, gänzlich offen für die Erlebbarkeit des Publikums und ohne jegliche Einflußnahme meiner Person: Mit der Niederschrift ist das Stück dem Publikum übergeben. Wenn ich dann eine gewisse Spannung zwischen der Struktur des Stückes und seiner Interpretation bemerken kann, so möchte ich, dass dies eine Angelegenheit zwischen den Musikern und dem Publikum ist.
Ivar Frounberg
Das Ensemble die reihe wurde 1958 von Friedrich Cerha und Kurt Schwertsik gegründet, um der Neuen Musik im Musikleben Wiens ein permanentes Forum zu schaffen. Seine Programme umfassen die wesentlichen Kammerwerke aller Stil-richtungen seit der Jahrhundertwende, wobei die Pflege der Wiener Schule beson-deren Raum einnimmt, darüber hinaus auch alle für das künstlerische Denken seit 1945 wichtigen und charakteristischen Arbeiten. Neben der Betreuung seiner Wiener Konzertreihen hat das Ensemble bei allen führenden Festivals und Institutionen in Europa (Wien modern, Hörgänge, Salz-burger Festspiele, Wiener Festwochen, Berliner Festwochen, Holland-Festival, Warschauer Herbst, steirischer herbst, Biennalen Venedig und Zagreb, Musica Viva München, Musik der Zeit Köln, Neues Werk Hamburg, Nutida Musik Stockholm, Accademia Filarmonica Rom usw.) und in den USA konzertiert.
Kristi Becker (Klavier) wurde Iowa/USA geboren und studierte sie Klavier bei James Avery und Carl Seemann an der Freiburger Musikhochschule. Sie trat in ganz Europa, den USA und in Japan als Solistin und Kammermusikpartnerin mit Werken von der Klassik bis zur Gegenwart auf. Seit 1982 unterrichtet sie an der Musikhochschule Detmold, seit 1998 als Betreuerin des Aufbaustudiums Neue Musik für Klavier. Kristi Becker konzertierte u. a. mit den Rundfunkorchestern Köln, Stuttgart, Saarbrücken, Baden-Baden und Hilversum sowie mit der Deutschen Kammerphilharmonie Frankfurt. Seit 1980 ist sie Mitglied des Ensemble Köln. Kristi Becker spielte bei den wichtigsten Festivals für zeitgenössische Musik (Donaueschingen, Holland Festival, Recontres international Metz, Darmstädter Ferienkurse etc.). Zahlreiche Werke wurden für sie komponiert und von ihr uraufgeführt.
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Updated: 10 Dec 2001