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POWERBOOKS UNPLUGGED
Acoustic Computer Band
Mi, 24.06.2009, 19:30
Essl Museum
- Alberto de Campo, Echo Ho, Hannes Hoelzl, Jan-Kess van Kampen,
Julian Rohrhuber, Renate Wieser: Laptops
Viele behaupten, dass der Laptop die neue Folkgitarre sei; wenn
das so ist, dann ist POWERBOOKS UNPLUGGED die erste acoustic computer
folk band: Der Laptop ist ihr einziges Instrument. Synthesizer,
Echtzeit-Soundprocessor, Netzwerkknoten, und jetzt auch autonomes
Musikinstrument mit seinem eigenem Soundsystem:
- player + laptop =
- improviser + instrument =
- music.
Keine Kabel, keine PA - alles ist schon in einer mobilen Maschine
integriert. Die bewusste Vermeidung von Rock'n'Roll-Anlagen, -Lautstärken
und -Bühnenästhetik hat interessante Nebenwirkungen:
nachhaltige, diesseits von Tinnitus angesiedelte Lautstärke
ist Teil des Konzepts, das die Ohren von MusikerInnen und ZuhörerInnen
frisch belässt und dynamische Bereiche öffnet, die in
der elektronischen Musik selten erlebt und exploriert werden.
Den Laptop als vollwertiges Musikinstrument aufzufassen bedeutet
all seine Ressourcen kreativ einzusetzen: Die MusikerInnen sind
über drahtloses Netzwerk verbunden, schicken einander Code-schnipsel
oder Nachrichten, und können 'ihre' Sounds über alle
Rechner räumlich verteilen, und damit eine subtile, räumlich
fein differenzierte Klangwelt im Saal aufspannen. Das erlaubt
den MusikerInnen auch, sich frei im Publikum zu bewegen, und damit
Konventionen der Situation Bühne/Publikum/Performer ausser
Kraft zu setzen.
Um ihre Sounds zu generieren, prozessieren, zu kommunizieren
und zu spielen, verwenden POWERBOOKS UNPLUGGED selbstgeschriebene
Software auf der Basis der open source Programmiersprache SC3
(insbesondere J. Rohrhuber's JITLib); das Klangspektrum reicht
von granularen Texturen über virtuell-analoge Synthese bis
zu live-prozessierten feedback sounds aus den internen Mikrophonen
- Änderungen vorbehalten.
Die Netzwerk-Struktur der gemeinsamen Instrumente und das text-basierte
Interface, Code, erlauben viele Arten von inprovisierter Interaktion:
call-and-response-Spiele die mit dem gleichem Ausgangs-code beginnen
und sich in divergierende Richtungen entwickeln (von 'cadavre
exquis'-Spielen zu genetischen Algorithmen mit den Ohren der SpielerInnen
als Selektionskriterium); das Finden akustischer Nischen für
die eigenen Sounds in Zeit und Spektrum, die Platz lassen für
die Koexistenz, was zu komplexen soundscapes führen kann,
wie sie in natürlichen Umgebungen vorkommen; über gegenseitige
'Sabotage' durch Lautstärke-Überflutung oder fein gestimmten
Rechner-Overload, bis zum Schreiben neuer Sounds im Flug, in 'live
coding battles'; bei allen Formen geht jeder Codeschnipsel an
alle Mitspieler zur weiteren Modifikation.
Eine erfreuliche Implikation der Netzwerk-Architektur der Band
ist das allmähliche Verschwinden des musikalischen und künstlerischen
Egos, gemeinsam mit der traditionellen Rockstar-Lautstärke.
Da Instrumente und Kontrollalgorithmen konsequent 'shared' sind,
gibt es keinen Besitzer mehr; die KünstlerInnen sind nur
separate musikalisch Einheiten, wenn sie das wollen; Ideen gehören
allen. Das plaziert die Arbeit der Band in den Kontext einer neuen
Tradition von multi-client, multi-user Kunstpraxis. Selbst die
Anzahl der Bandmitglieder ist auch variabel, und schwankt zwischen
drei und sechs oder mehr SpielerInnen, wie Wolken, die sich je
nach lokalen Gegebenheiten verdichten oder ausdünnen.
Biographien
Alberto de Campo, geboren 1964 in Graz, hat Komposition und
Jazz-gitarre in Graz/A und Linz/A, und elektronische Musik in Santa
Barbara/USA studiert. Er lebt in Berlin/D und Graz/A, und ist Professor
fuer Generative Kunst / Computational Art am Institut für zeitbasierte
Medien an der Universität der Künste Berlin.
Echo Ho, geboren in Beijing, hat zuerst in Beijing und
Hong Kong studiert, und danach audiovisuelle Medienkunst an der
KHM in Köln, wo sie lebt. In ihrer Arbeit integriert sie Akustisches
und Visuelles in Projekten, die von Film über Installationen
bis zu audiovisuellen performances und Musik reichen. Sie unterrichtet
Videokunst und elektronische Medien an der KHM Köln.
Hannes Hoelzl, geboren 1974 in Italien, hat Toningenieur
in Graz und Audio Design in Utrecht studiert. Er arbeitet mit Live-Musik
(earweego with Echo Ho u.v.a.), Klanginstallationen (z.B. die Biennale
Venedig 2001, Ausstellungen, und Museen) und Audioprogrammierung
(Institut für Sonoaviatik, Realtime Research u.a.). Er lebt
zur Zeit in Köln.
Jan-Kees van Kampen, geboren in 1975 in Zetten, hat
elektronische Musik und Komposition in Hilversum studiert. Er ist
aktiv als Musiker, Sound Programmer, Lehrer und Bauer. Er arbeitet
für das Sandberg Institut und das Schreck Ensemble in Amsterdam.
Er nimmt teil am Kollektiv goto10.org, das sich mit FLOSS (free/libre/open
source) software für die digitalen Künste befasst.
Renate Wieser ist Medienkünstlerin und -theoretikerin
und lebt in Hamburg. Sie nimmt teil am Doktorandenkolleg des DFB
"Automatismen: Strukturentstehung außerhalb geplanter Prozesse
in Informationstechnik, Medien und Kultur", an der Universität
Paderborn. Zur Zeit arbeitet sie an einer Kombination von Installation
und Hörspiel.
Julian Rohrhuber studierte visuelle Anthropologie, Medienphilosophie
und Computerkunst in Hamburg. Er arbeitete in einem Forschungsprojekt
der DFG über Medienkunst und Klang in Köln und setzt seine
Arbeit im Rahmen einer Promotion an der Universtät Siegen fort.
Seine Interessen sind u.a. algorithmische Akustik, Abstraktion und
Agency.
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