Der 2007 kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag verstorbene Karlheinz
Stockhausen hat die Entwicklung der Neuen Musik maßgeblich
beeinflußt. In unbeirrbarer Radikalität hatte er nach
Kriegsende die für ihn fragwürdig und verbraucht gewordenen
musikalischen Traditionen über Bord geworfen und reinen Tisch
gemacht, um ganz neu beginnen zu können. Der von ihm entscheidend
mitgeprägte Serialismus verdankte sich äußerster
Rationalität und führte schließlich zur Elektronischen
Musik, die alle bislang gültigen musikalischen Vorstellungen
sprengte und unbekannte Klangwelten entstehen ließ.
Um so überraschender Stockhausens „Kehrtwende“
im Mai 1968, die – unabhängig von der gleichzeitig
stattfindenden Studentenrevolte – durch eine schwere persönliche
Krise ausgelöst wurde. Anstelle präzis ausformulierter
Partituren entstand innerhalb weniger Tage eine Reihe von Gedichten,
die später unter dem Titel AUS DEN SIEBEN TAGEN erschienen
sind: kurze Texte, die spezifische musikalische Entwicklungen
auslösen sollen, von den Interpreten jedoch eine völlig
neue Aufmerksamkeit und Hingabe erfordern. Dabei geht es weder
um esoterische Meditationsmusik noch um beliebige Improvisation,
sondern letztlich um die konsequente Fortführung von Stockhausens
Denken in kompositorischen Prozessen.
Stockhausen selbst hat seine Textkompositionen mit dem Ensemble
für Intuitive Musik Weimar erarbeitet und dabei die Ohren
und Sinne der Musiker geschärft. Und so freut es mich ausserordentlich,
dass wir heute abend durch sie Stockhausens Musik – sozusagen
aus erster Hand – hören dürfen.
Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Essl
Musikintendant der Sammlung Essl
Programm
Karlheinz Stockhausen (1928-2007): FÜR KOMMENDE
ZEITEN (1968-1970)
VERKÜRZUNG
WACH
VORAHNUNG
Karlheinz Stockhausen (1928-2007): AUS DEN SIEBEN
TAGEN (1968)
UNBEGRENZT
Ausführende
Ensemble für Intuitive Musik Weimar
Michael von Hintzenstern: Klavier
Matthias von Hintzenstern: Violoncello, Obertongesang
Daniel Hoffmann: Trompete, Flügelhorn
Hans Tutschku: Live-Elektronik
Textkompositionen
VERKÜRZUNG
Spiele oder singe
extrem lange
Klänge
bis Dir jeder
wie ein
Augenblick
vorkommt
WACH
Sternkonstellationen
mit gemeinsamen Punkten
Und Sternschnuppen
mit geheimen Wünschen
Und nächtlicher Wald
mit Dialogen
Jäher Schluß
VORAHNUNG
Setze jeden Ton
auf den Kopf eines anderen Tones
UNBEGRENZT
Spiele einen Ton
mit der Gewißheit
daß Du beliebig viel Zeit und Raum hast
Video
Karlheinz Stockhausen: WACH
Ausschnitt aus der Generalprobe
SCHÖMER-HAUS, 7 März 2009
Video: Karlheinz Essl
Innerhalb des streng determinierten Gesamtwerkes
von Karlheinz Stockhausen (1928-2007) nimmt die von ihm 1968 kreierte
„Intuitive Musik” eine Sonderstellung ein. Diese entsteht
im Moment der Aufführung „aus der geistigen Einstimmung
der Musiker durch kurze Texte”. Als Partitur dient
eine in verschiedene formale Abschnitte gegliederte Spielanweisung,
welche „das Intuitive in bestimmter Weise herausfordert”.
Der Komponist verfolgte dabei das Ziel, „durch die
verschiedenen Texte verschiedene Archetypen musikalischer Prozesse
zu entdecken, von denen jeder zu ganz eigenen musikalischen Geschehnissen
führt.”
Karlheinz Stockhausen
AUS DEN SIEBEN TAGEN
Ich habe diese Musik, die aus der geistigen Einstimmung der Musiker
durch kurze Texte entsteht, intuitive Musik genannt. Das Wort ‘Improvisation’
scheint mir für das, was wir spielen, nicht mehr richtig zu
sein, da man mit Improvisation immer auch die Vorstellung von zugrunde
liegenden Schemata, Formeln, stilistischen Elementen verbindet;
sich also irgendwie in einer Musiksprache bewegt, selbst wenn man
zeitweilig in sogenannter ‘freier Improvisation’ über
die Grenzen einer solchen Sprache hinaus gelangt.
Mit intuitiver Musik möchte ich bewußt machen, daß
sie möglichst rein aus der Intuition kommt, die bei einer
Gruppe von intuitiv spielenden Musikern qualitativ mehr ist als
die Summe von individuellen ‘Einfällen’ auf Grund
einer gegenseitigen ‘Rückkopplung’. Die ‘Orientierung’
der Musiker, die ich auch ‘Einstimmung’ nannte, ist
aber nicht eine beliebige oder nur negative – das heißt,
alles musikalische Denken in bestimmte Richtungen ausschließende
–, sondern sie ist jeweils konzentriert durch einen von
mir geschriebenen Text, der das Intuitive in ganz bestimmter Weise
herausfordert.
Musikalische Meditation ist keine Gefühlsduselei, sondern
Überwachheit und – in den lichtesten Momenten –
schöpferische Ekstase.
Aus einem Einführungstext für die Internationalen
Ferienkurse Darmstadt 1969
Michael von Hintzenstern
Über die Zusammenarbeit mit Karlheinz Stockhausen
Es war die Faszination der Musik Karlheinz Stockhausens, die 1980
vier junge Musiker aus Ostdeutschland zur Gründung des Ensemble
für Intuitive Musik Weimar (EFIM) veranlaßte. Dies fing
in einer illegalen Erfurter Galerie an, führte in zahlreiche
Kirchen und nach Jahren sogar in den (Ost-) Berliner Palast der
Republik.
Zu einem herausragenden Höhepunkt in diesen Bemühungen
gestalteten sich die 1. Tage Neuer Musik in der Kirche von Denstedt
(bei Weimar), bei denen vom 30. August bis 1. September 1988 anläßlich
des 60. Geburtstages von Stockhausen 22 instrumentale und elektronische
Kompositionen zum Teil erstmals im Osten Deutschlands von Markus
Stockhausen (Trompete & Flügelhorn) und dem EFIM aufgeführt.
Nach der Grenzöffnung konnte das Ensemble 1990 vor Stockhausen
spielen, der in einem Brief darüber schrieb: "...es war gut,
daß ich Euch endlich im Konzert erlebt habe. Euch allen
möchte ich danken: Ihr habt die Intuitive Musik lebendig
gehalten. Wir werden gewiss gemeinsam diese eigenartige Musikform
weiterentwickeln."
Im Anschluß an eine intensive Probenphase im Mai 1991
schrieb er uns nach Weimar: "DANKE für die Pfingsttage: auch
für mich waren sie außerordentlich lehrreich, und Ihr
seid einfach 4 Engel! Ich werde helfen, wann immer ich eine Chance
bekomme, daß Ihr weitergeht in der Entdeckung, Klärung
der Intuitiven Musik."
Vom 25. bis 27. Mai 2005 bot sich eine weitere Gelegenheit,
mit dem Komponisten an der Interpretation von sechs Texten aus
dem Zyklus FÜR KOMMENDE ZEITEN in Kürten zu arbeiten
und diese am 28. Mai 2005 in Köln aufzunehmen. Es waren dies
VERKÜRZUNG, WACH, VORAHNUNG, ANHALT, INNERHALB und WELLEN.
Dabei erwies es sich für die Gruppe als hilfreich, dass Stockhausen
sozusagen "von außen" das Entstehen der Musik verfolgen
und einschätzen konnte. Wie bereits 14 Jahre zuvor ging es
um eine unmittelbare und lebendige Umsetzung jeder einzelnen Textzeile.
Stockhausen gelang es nach kurzer Zeit, die eingeschliffene "Gruppendynamik"
des Ensembles aufzustoßen und einen wahrhaft pulsierenden
Musizierprozeß in Gang zu setzen.
Viele Faktoren waren zugleich zu beachten: das deutliche Etablieren
von Tönen und ihre Entfaltung zu einem Ziel hin, das Gestalten
einer fantasievollen Innentextur des Klanges, das Auslösen
von Kommunikationsprozessen, das Ansteuern synchroner Einsätze,
das Wahren der Proportionen innerhalb der Großform der Texte
und bei alledem das Finden einer ausgewogenen Dynamik der Gruppe,
um das Gespielte transparent werden zu lassen.
Es galt, die einzelnen Parameter in möglichst großer
Vielfalt zu formen und stereotype Floskeln zu vermeiden. Da flogen
auch mal verbale Fetzen durch die Luft, wenn er mir zum Beispiel
vorwarf: “Du trägst ein Ei von Liszt in Dir!”
Bei alledem waren die Probentage geprägt von einem gemeinsamen
Ergründen und Entdecken, wobei Stockhausen immer wieder elektrisierende
Impulse gab. Er hatte die Fähigkeit, die Musiker über
ihre eigenen Grenzen hinaus zu führen.
Mitunter war so viel zu bedenken, dass ein Stagnieren des eigentlichen
Musiziervorgangs drohte, doch bald stellten sich neue Erfahrungen
ein, die rasch in Fleisch und Blut übergingen, wie zum Beispiel
beim Spielen von "Sternkonstellationen mit gemeinsamen Punkten"
aus dem Stück WACH.
Die Realisation der Texte verlangt vom Spieler Disziplin und
Konsequenz. Unglaublich, was durch sie ausgelöst wird, wenn
es gelingt, ihre Intentionen aufzunehmen und zum Schwingen zu
bringen!
Michael von Hintzenstern
Erinnerungen an Karlheinz Stockhausen
Die Nachricht vom Tode Karlheinz Stockhausens hat mich wie ein Blitzschlag
getroffen. Seine Vitalität und Energie, die ich noch im Juli
2007 in Kürten erleben durfte, ließen den Gedanken in
weite Ferne rücken, dass er einmal nicht mehr unter uns sein
könnte.
Nach Generalprobe der „Himmels-Tür“ rief er
mir lächelnd zu: „Jetzt weißt Du, was Du machen
musst, wenn Du in den Himmel kommen willst.“ Im letzten
Brief, den er am 13. November 2007 nach Weimar sandte, heißt
es: „ ... ja, ja, immer weiter – und will auch
drüben weiter!“.
Mein Gefühl der Trauer verband sich zugleich mit dem großer
Dankbarkeit für all das, was ich in einer 37-jährigen
Freundschaft durch ihn erleben und erfahren durfte: seine Kompositionen,
seine Art des Musizierens, seine Kunst des Formulierens, seine
unnachgiebige Konsequenz bei der Arbeit, seine liebevolle Fürsorge
und Großzügigkeit und nicht zuletzt sein humorvolles
Wesen..
Von Anfang an stellte sich mir der Aufgabe, für seine Werke
im „real existierenden Sozialismus“ der DDR einzutreten
– als Autor, Musiker und Veranstalter. Hinzu kam die Beschäftigung
mit einer sehr speziellen Form des Musizierens, die 1980 zur Gründung
des Ensemble für Intuitive Musik Weimar (EFIM) führte..
Nachdem ich Stockhausen von meinem ersten Einführungsabend
in seine Musik berichtet hatte, antwortete er am 14. April 1971
(ich war damals erst 15 Jahre alt) mit einem dreiseitigen Brief,
in dem er schrieb: “Sie haben eine sehr hohe Verantwortung,
wenn Sie sich zum Fürsprecher bestimmter Musik machen, auch
dieser Musik gerecht zu werden, und nicht nur den Menschen, die
diese Musik ‘konsumieren’ bzw. ‘koordinieren’
wollen. Ein Publikum existiert nicht einfach, sondern es wird
geformt und läßt sich formen, sofern es eine Wahl hat.
Es ist also notwendig, zuerst einmal ganz breit und anonym Information
zu streuen, bevor die Menschen überhaupt wählen können.
Diejenigen, die dann aber kommen, sollten die Chance gehabt haben,
zu wissen, was sie wählen (bzw. die Neugierigen sollten die
Chance haben, ihre Neugier ganz klar beantwortet zu bekommen:
mit der Äußerung, daß kein Preis erspart bleibt,
Anstrengungen, aktives Miterleben leisten zu müssen, bevor
sich in dieser Musik irgendetwas erschließt).”
Biographien
Ensemble für Intuitive Musik Weimar
Das Ensemble für Intuitive Musik Weimar (EFIM)
wurde 1980/81 gegründet. "Klang-Reise" lautete der Titel
zahlreicher Konzerte, die es in den ersten Jahren seines Bestehens
gab. Das fing in einer illegalen Erfurter Galerie an, führte
in zahlreiche Kirchen und nach Jahren sogar in den (Ost-) Berliner
"Palast der Republik". Inzwischen hat es in 30 Ländern konzertiert
- in Europa, Lateinamerika, den USA und Asien.
Zu DDR-Zeiten empfanden es die Musiker als notwendig und reizvoll,
tabuisiertes und unerwünschtes Gebiet zu betreten. Die
Hörer, deren Sehnsucht und Neugier schier unstillbar waren,
folgten gebannt diesen Exkursionen. Der Name Karlheinz Stockhausen
erwies sich dabei als Magnet - die Menschen kamen in Scharen.
So fanden bis zum "Wendeherbst 1989" über 100 Konzerte
mit seiner Musik in der DDR statt.
Nach der Grenzöffnung konnte das Ensemble 1990 erstmals
vor Stockhausen spielen. Im Mai 2005 spielte das Ensemble nach
gemeinsamer Probenarbeit mit Stockhausen sechs Stücke aus
seinem Zyklus FÜR KOMMENDE ZEITEN (1968-1970) erstmals
auf CD ein.
Das Ensemble hat sich darauf spezialisiert, Neue Musik im
Moment der Aufführung entstehen zu lassen. Ausgangspunkt
sind oftmals nur minimale Spielanweisungen oder Konzepte. Ausgehend
von Bauhaus-Traditionen wurden seit 1987 zahlreiche synästhetische
Projekte realisiert. So konnten 1989/90 in den Zeiss-Planetarien
in Jena und Berlin unter dem Titel VOM KLANG DER STERNE "abstrakte
Farbvariationen im Kosmos" gestaltet werden. In KLANG - FARBE
- BEWEGUNG (1990/1996/2003) kam es zu einem Wechselspiel mit
mehrdimensionaler Projektion und Ausdruckstanz. Zu den bisher
aufwendigsten Kreationen gehörte FLAMMENKLANG MEININGEN
(1996) für 16 Heißluftballonbrenner, Tänzer,
Chor, Ensemble und Zuspielband von Hans Tutschku. Die unterschiedlichsten
Konfigurationen sechs Meter hoher Flammen korrespondierten in
dem abendfüllenden Werk mit dem musikalisch-szenischen
Geschehen im Englischen Garten der Residenzstadt. Ob auf der
EXPO 2000 in Hannover, auf den Festivals in Porto (2001), Warschau
(2002), Rom (2003), Wien (2004) oder Brüssel (2006), stets
ist das EFIM auf einer Klang-Reise, die neue Dimensionen des
Hörens erschließen möchte. Bei Konzerten mit
192 Lautsprechern setzte es 2005 das Wellenfeldsynthesesystem
IOSONO des Fraunhofer Instituts (Ilmenau) erstmals in einem
Konzertsaal ein. 2006 nahm es bei einer USA-Tournee die Spuren
auf, die über Lászlo Moholy-Nagy vom Weimarer Bauhaus
zu John Cage führen. 2008 gastierte das Ensemble in Buffalo
und Santiago de Chile sowie in Litauen.
Michael von Hintzenstern
Mit 14 Jahren erster Kompositionsunterricht an der
Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar. Von 1975 bis
1984 Studium Orgel/Chorleitung an der Thüringer Kirchenmusikschule
in Eisenach und Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität
in Halle/Saale. 1976 Preisträger des Internationalen Kompositionswettbewerbs
in Boswil (Schweiz). 1980 Gründung des Ensembles für
Intuitive Musik Weimar (EFIM). Seit 1986 Organist der "Liszt-Orgel"
in Denstedt bei Weimar, die er 1980 wiederentdeckte und 1993 restaurieren
ließ. 1988 initiierte er die 1. Tage Neuer Musik in Weimar,
die seitdem jährlich stattfinden. 1989 rief er mit Hans Tutschku
die Unabhängige Vereinigung für Musik der Gegenwart
"Klang Projekte Weimar e.V." ins Leben (Ehrenpatrone: Karlheinz
Stockhausen, Francis Dhomont und Henry Pousseur), die als Träger
der "Tage Neuer Musik" und der Konzertreihe "Neue Wege zur Musik
- Wege zur Neuen Musik" fungiert. Konzerte in 30 Ländern.
4 CD-Einspielungen. Michael von Hintzenstern erhielt am 3. Oktober
1996 den "Weimar-Preis".
Matthias von Hintzenstern
Matthias von Hintzenstern studierte an der Hochschule
für Musik „Franz Liszt“ in Weimar Violoncello.
Parallel zur musikalischen Ausbildung erste Beschäftigung
mit Bildender Kunst. Seit 1976 als Orchestermusiker tätig,
zunächst im Staatlichen Sinfonieorchester Thüringen
(Gotha) und seit 1980 im Philharmonischen Orchester des Theaters
Altenburg-Gera.1980-1983 folgte ein Zusatzstudium im Fach Viola
da Gamba an der Leipziger Musikhochschule bei Prof. Siegfried
Pank. Mitbegründer des Ensembles für intuitive Musik
Weimar (EFIM). Mitglied verschiedener Kammermusikensembles. Programme
mit Dichtern und Schriftstellern, wie z.B. mit Ernst Jandl, Reiner
Kunze, Friederike Mayröcker und Ruth Weiss (USA). Zahlreiche
synästhetische Projekte. Zusammenarbeit mit Jan Heinke, dem
Gründer des internationalen Obertonfestivals „LAUSCHRAUSCH“
in der Yenidze Dresden. Ausstellungen seiner Bilder, Collagen
und „Raum–Klang–Installationen“ bei der
Höhlerbiennale in Gera, auf der Osterburg in Weida und im
Wasserschloß Klaffenbach bei Chemnitz. 2007 Einweihung des
von ihm konzipierten Denkmals „den Opfern politischer Gewaltherrschaft“
in Gera. Reich zählt mit Philip Glass, Johan Adams und Terry
Riley zu den Vertretern der Minimal Music. Er schrieb Kompositionen
für die unterschiedlichsten Besetzungen – bis hin zu
der Videooper „Three Tales“ (2002) –, in denen
er es verstand, Einflüsse westlicher und traditioneller Musik
sowie des Jazz einzubinden.
Daniel Hoffmann
Studium in den Hauptfächern Horn und Trompete
an der Musikhochschule "Franz Liszt" in Weimar. Noch während
der klassischen Ausbildung erfolgte eine immer stärkere Hinwendung
zum Jazz und anderen Musikformen. Seit 1987 ist Daniel Hoffmann
als freiberuflicher Musiker in verschiedenen Jazzformationen tätig.
1991 wurde er Preisträger beim Internationalen Jazzworkshop
in Weimar. Auf der Suche nach weiteren musikalischen Möglichkeiten
kam es zum Kontakt mit dem "Ensemble für Intuitive Musik
Weimar", dem er seit 1993 angehört. 1994 war er Initiator
der "Jazzmeile Thüringen", die sich inzwischen durch den
ganzen Freistaat erstreckt. 1997 erfolgte unter seiner Leitung
die Neugründung der "Bauhaus-Musik-Kapelle". 2004 rief er
mit Michael von Hintzenstern das Duo „Klang-Zeichen“
ins Leben, welches Traditionslinien des Dadaismus aufgreift und
stark durch die ästhetischen Ansätze von John Cage geprägt
ist.
Hans Tutschku
Hans Tutschku (* 1966) ist seit 1982 Mitglied des Ensembles
für Intuitive Musik Weimar. Er studierte Komposition in Dresden,
Den Haag und Paris, begleitete ab 1989 Karlheinz Stockhausen auf
mehreren Konzertzyklen, um sich in die Klangregie einweisen zu
lassen und nahm 1996 an Kompositionsworkshops mit Klaus Huber
und Brian Ferneyhough teil. 2003 promovierte er bei Jonty Harrison
an der Universität Birmingham. Er lehrte elektroakustische
Komposition an der Weimarer Hochschule für Musik, am IRCAM
in Paris, in Montbéliard und der Technischen Universität
Berlin. Seit 2004 wirkt er als Kompositionsprofessor und Leiter
des Studios für elektroakustische Musik an der Harvard University,
Boston (USA). Einladungen zu Konzerten und Meisterkursen führten
ihn in mehr als 30 Länder. Seine Werke wurden mit verschiedenen
internationalen Preisen ausgezeichnet : Bourges, CIMESP Sao Paulo,
Hanns-Eisler-Preis, Prix Ars Electronica, Prix Noroit und Prix
Musica Nova. 2005 wurde ihm der Weimar-Preis verliehen.