Multimedia-Oper von Anestis Logothetis
Nach dem Tod von Anestis Logothetis im Jahre 1994 wurde eine Neufassung erarbeitet, die heute – aus Anlass seines 10. Todestages – im SCHÖMER-HAUS präsentiert wird. Dafür wurden Film-, Video- und Tonaufnahmen von Logothetis derart in die Szene integriert, dass die Gestalt dieses vielseitigen Künstlers auf der Bühne wieder lebendig wird, und so die schöpferische Genialität dieses großen Klangzeichensetzers und Performers heute noch erfahrbar bleibt. Bühnenbild und Kostüme stammen von dem Bruder des Komponisten, dem Maler und Objektkünstler Stathis Logothetis (1925 – 1996).
Multimedia-Oper von Anestis Logothetis (27.10.1921 - 06.01.1994)
Gunda König
Videos: Ulrich Kaufmann
"Der Komponist Logothetis selbst spielt den Daidalos, jenes scheinbar überlegene Prinzip Hoffnung, das Zweifel kaum zuläßt und jede Ausweglosigkeit hinter raffiniertesten Formeln verbarrikardiert. Gegen dieses Ordnungsprinzip stehen Phantasie, Eros, Sexus, Gewalt und Liebe. Gespalten, wie auch das ganze Bühnensystem der Aufführung, stehen sie ihm entgegen. Einerseits Ikaros, den der Traum vom Fliegen - Überwinden der Wirklichkeit - das Leben kostet, andererseits die Figur der Ariadne, mit all ihrer kreativen Neugierde, die jede Gefahr beiseite schiebt und selbst dem Minotaurus, der sie gleichermaßen anzieht wie erschreckt, lebenstüchtig zu entwischen versteht. Pointe dieser gelungenen Flucht: Sie schläfert das Ungeheuer mit Musik ein. Das nur einer der vielen Ansatzpunkte von Werk und Aufführung, die es zuwege bringen, blitzartig archaisches Topos-Material in gegenwärtige Problematik umkippen zu lassen. Gunda König in der Doppelrolle Ikaros/Ariadne und Walter Stangl (Minotauros), dem Arno Patscheider die Bandstimme lieh, liefern eindrucksvolle Monmente rückhaltloser Schauspiellust. Was aber diesen Abend im Künstlerhaus so besonders eindrucksvoll macht und was ihm Avantgardemaß im besten Sinn leiht, ist der frappante Einsatz verschiedener künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten und deren geglückte Kombination. Denn zur Musik von Logothetis, die durch Tonkonserven sich selbst bespiegelt, bezweifelt, konterkariert und so multipliziert, sodaß aus der Kühle moderner Kompositionsästhetik ein akustischer Urwald voller Sinnlichleit aufsteigt, gesellen sich Filme, Dias, die graphischen Notationen des Komponisten und raffiniert eingesetzte Raumtheaterelemente, die zusammen ein Kunstwerk abgeben, das sinnfällig und beeindruckend die Grenzen der Einzelkunst in Richtung Gesamtkunstwerk überschreitet. Berücksichtigt man alle diese Faktoren und gewichtet sie, so kann man feststellen, daß da nicht nur eine Uraufführung eines musikalischen Werkes geglückt ist. Gelungen ist vielmehr - und das zählt an diesem Ort, wo über das Tafelbild noch kaum hinausgedacht worden ist - der Beweis, daß Performance-Art eine durchaus aufregende Sache sein kann." [Ogris, Horst: Ein neuer Weg! In: Kleine Zeitung, 25. 6. 1980.] |
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Updated: 28 Apr 2004