FRANZ ZADRAZIL
1942 geboren in Wien
2005 gestorben in Wien
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Portrait: Franz Zadrazil
Fotonachweis: Archiv Andrea Kasamas
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Orchidee, um 1989
Öl auf Novopan
160 x 130 cm
© Nachlass des Künstlers
Fotonachweis: Stefan Fiedler - Salon Iris, Wien
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Persönliche Daten
| 1961-79 |
Postangestellter. Sechs Jahre Unterbrechung in Form unbezahlter Urlaube |
| 1968-72 |
Akademie der bildenden Künste Wien, Meisterklasse Prof. Rudolf Hausner |
| 1969 |
Erstes Fassadengemälde
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| 1971 |
Gründungsmitglied der Gruppe „Zötus“ und Mitglied der Gruppe „Der Kreis“ |
| 1974 |
Theodor-Körner-Preis |
| 1966-89 |
diverse Einzelausstellungen in Galerien unter anderem in Wien, Salzburg, Innsbruck, Rom, Stuttgart und Frankfurt |
| 2000 |
Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst |
Zum Werk
„Ich male mir eine Welt, die ich gerne hätte: Es ist aber keine bewusst übermittelte Botschaft. Ich male das einfach. Das Hauptgewicht liegt für mich in der Problematik der absoluten konkreten Malerei, der Bewältigung von Farbe und Form. Das Inhaltliche ist in erster Linie Transportmittel für meine Malerei.“1
Das Interesse Franz Zadrazils gilt den Häuserfassaden, Mauern, Werbeschildern und Geschäftsportalen der Städte und es sind keinesfalls „glatte“ Fassaden von berühmten Prunkbauten, die es beispielsweise in Wien zu sehen gibt, sondern es sind Fassaden von Gebäuden, die ins alltägliche Leben der Bevölkerung eingebettet sind. Sie sind oft profan, schmutzig, skurril, bunt, verjährt und nicht perfekt, aber gerade das sind die Qualitäten, die Zadrazil für seine Malerei interessierten und die seine Motive von anderen Städteansichten unterscheiden.
Bei der Betrachtung der Bilder von Franz Zadrazil fällt zunächst die Freude am Detail auf. Verbunden mit der sehr realistischen Malerei bildet das oftmals Anlass, die Bilder mit Dokumentaraufnahmen zu verwechseln. Dabei sind es nicht minutiös detailgetreue Reproduktionen der Objekte, sondern seine Werke durchleben Prozesse der Veränderung. Auf grundierte Novopanplatten projiziert Zadrazil die Schwarz-Weiß-Negative seiner Sujets, um dann mal mehr, mal weniger Flächen oder einzelne Punkte skizzenhaft zu übertragen. Die Schwarz-Weiß-Fotografien sind eine bewusste Entscheidung des Künstlers und dienen als Arbeitsvorlage, in die er im Nachhinein eigene Farbvorstellungen einbringen kann. Zadrazils Farbflächen bestehen oft aus mehreren Schichten, die gegebenenfalls wieder abgekratzt werden. So entsteht eine sehr dichte und lebendige Oberflächenstruktur. Alles Weitere überlässt er dem „Reiz des Zufalls“ und seiner malerischen Freiheit, Details wegzulassen, hinzuzuerfinden oder miteinander zu verbinden.
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Fassade Burlesk,
Originalfotografie von Franz Zadrazil
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Follies Burlesk, 1984
Öl auf Novopan
184 x 215 cm
© Nachlass des Künstlers
Fotonachweis: Archiv des Künstlers
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Neben seinen Streifzügen durch Wien und Paris entdeckt Zadrazil die Bildmotive auch in New York, dessen lebendige Vorstädte ideale Orte für seine Malerei darstellen. In dem Werk „Follies Burlesk“ von 1984 sind die farbigen Flächen der Werbetafeln, mit denen eine Burlesk Show beworben wird, in eine strenge orthogonale Gesamtkomposition eingebunden, wobei sich vor allem die Stockwerke durch das Betonen von waagrechten Streifen abheben.
Beim Vergleich mit der originalen schwarzweiß Fotografie, die Franz Zadrazil gemacht hatte, wird deutlich, wie durchdacht die einzelnen Elemente im Gemälde neu angeordnet sind. Die große Burlesk-Werbetafel ist verkürzt. Zusammen mit den sich darunter befindenden Frauenabbildungen und dem Schriftzug „Howard Johnson’s“ werden die Elemente reduziert und nach rechts verschoben, um mehr Raum für die Häuserfassade auf der linken Bildhälfte zu haben. So konzentriert sich der Blick nicht nur auf die Werbetafeln, sondern auch auf das sich dahinter befindliche Gebäude.
Die betonte Flächigkeit seiner Bilder ruft die Neugier hervor, was wohl hinter diesen Fassaden stecken möge. Denn häufig stehen die in die Jahre gekommenen, abgeblätterten Fassaden für sich und fordern den Betrachter auf, eigene Geschichten zu assoziieren, denn die Sicht in das Innere der Gebäude bleibt verwehrt oder wird durch verspiegelte Fenster verstellt. Zadrazil interessieren Zeugnisse menschlichen Lebens, oder Abbildungen von Menschen auf Häuserfassaden und Werbetafeln, aber man findet nie reale Personen in seinen Gemälden.
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Pintchik Country, 1984
Öl auf Novopan
130 x 130 cm
© Nachlass des Künstlers
Fotonachweis: Archiv des Künstlers
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Eines der bekanntesten Werke Zadrazils, „Pintchik Country“ von 1984, zeigt eine Hausfassade, welche die beiden Hauptfiguren aus dem berühmten Gemälde „American Gothic“ von Grant Wood aufgreift, um einen Baumarkt zu bewerben.
Das ursprüngliche Bild „American Gothic“ entstand 1930 und stellt einen Vater mit seiner unverheirateten Tochter dar. Der den Betrachter streng fokussierende Mann hält eine Heugabel in der Hand, die schwere ländliche Arbeit suggeriert.
Kaum ein anderes Bild wurde so oft parodiert und neu inszeniert, wie auch hier in Zadrazils Gemälde. In dieser Version hält der Mann statt einer Heugabel einen Pinsel mit Farbe in der Hand, so als würde er auf seine eigenen Entstehungsbedingungen verweisen und darüber hinaus auf den Schöpfer des Bildes, Zadrazil selbst. Über den Köpfen rankt ein Strom aus Pinseln, der mit Leuchtstoffröhren umspielt wird. Der dynamische Pinselschwarm vor hellblauem Himmel steht im Ausgleich zum streng vertikal ausgerichteten und statischen unteren Teil des Bildes. Belebt wird die strenge Komposition vor allem durch die exakt geschilderte Oberflächenstruktur der Hauswand: Jeder einzelne Ziegelstein und jedes zugemauerte Fenster lässt sich trotz der Bemalung nachvollziehen.
In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigt sich Zadrazil verstärkt mit Zeit und Vergänglichkeit. Er verwendet als Ausgangspunkt für seine Malerei alte Blechschilder mit Emailoberfläche. Diese Schilder werden von ihm vergrößert, die zusammengenagelten Nahtstellen werden sichtbar, ebenso der beginnende Rost. Zadrazil malt das gleiche Motiv im selben Format oft bis zu viermal und setzt die Oberfläche dann einem künstlichen Verfall aus, sodass ein Rostbefall sowohl gemalt, wie auch durch das Übergießen mit Terpentin simuliert wird.
„Wenn andere rausgehen, um Schmetterlinge zu sammeln, die sie dann zu Hause aufspießen, so gehe ich die Wände und Häuser entlang und fange so eine Fassade ein und spieße sie dann auf das Bild. Ich gehe Zeit fangen.“2
Kim Kannler
1) Franz Zadrazil, in: Franz Zadrazil. Wien Paris New York, AK Essl Museum, Klosterneuburg/Wien, 2012, S. 16/17.
2) Zitat Franz Zadrazil: Archiv des Künstlers
AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
| 2012 |
DER GEMALTE RAUM, Schömer-Haus |
| 2012 |
FRANZ ZADRAZIL – Wien Paris New York |
| 2005 |
IR/REAL – Tendenzen des Realismus in Österreich ab 1945, Schömer-Haus |
| 1996 |
Realismus als Methode, Schömer-Haus |
| 1991 |
DAS JAHRZEHNT DER MALEREI. Österreich 1980 bis 1990. Sammlung Essl, Kunstforum Wien; 1992-1996 weitere Stationen in Europa, Indien und den USA
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| 1989 |
Österreichische Malerei und Graphik nach 1945, Ausstellungszentrum Bärnbach_A |
| 1987 |
Österreichische Gegenwartskunst aus der Sammlung bauMax; mehrere Stationen in Österreich |
Weiterführende Literatur zu diesem Künstler finden Sie in der
Bibliothek >> des Essl Museums.
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updated: 26.04.2013
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