Seitenvergrößerung (inkl. Bilder):

WINDOWS: Drücken Sie "Strg" und "+"
oder klicken Sie auf "Ansicht",
dann "Zoom/Schriftgrad"

MAC: Drücken Sie "cmd/Apfel" und "+"

Schriftvergrößerung (ohne Bilder):

klein | mittel | groß

EVA SCHLEGEL

1960 geboren in Hall in Tirol
Lebt und arbeitet in Wien

Eva Schlegel Eva Schlegel
Eva Schlegel, 2006
Foto: Udo Titz
o.T. 008, 2003
Lambda-Print
120 x 70 cm
Foto: Eva Schlegel

Persönliche Daten

1979-85 Studium an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien bei Oswald Oberhuber
1997-2006 Professur für Kunst und Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste in Wien
2011 Kommissärin für den österreichischen Beitrag zur 54. Biennale in Venedig


Zum Werk

„Die Frauenporträts, die sich aus der Malerei befreiten, sind unscharfe Fotos, kein Gesichtszug ist zu erkennen, keine Regung einer Stimmung, keine hinzugefügten Details, um die Person zu definieren, und die Unschärfe verändert zudem oft die Bedeutung der Gesten. Die begleitenden Texte funktionieren wie Briefe oder biografische Details, die alles offen lassen.“1

Als Objekt- und Medienkünstlerin bespielt Eva Schlegel sowohl den musealen, als auch den öffentlichen Raum. Mitte der 1980er Jahre gestaltet sie Pigment- und Graphitarbeiten, die sie als Diptychen oder Triptychen einander gegenüberstellt. Auch Blei wird ab 1987 zum bevorzugten Bildträger, da es durch seinen Glanz und sein Schimmern Reminiszenzen an körperliche Sensualität hervorruft. Blei steht für Melancholie, Schutz und Gefahr, alles Themen, für die sich Eva Schlegel besonders interessiert.

Seit den 1990er Jahren arbeitet sie an den „Wolkenbildern“. Fotovorlagen von Wolkenformationen werden segmentweise kopiert, vergrößert und mithilfe eines chemischen Verfahrens auf den Kreidegrund übertragen. Abschließend werden bis zu zwanzig farblich abgestimmte Lackschichten unter der Beimischung von Ölfarbe darüber gelegt. So erhält das Bild einen feuchten Glanz, scheint körperlicher, scheint zu pulsieren und zu atmen. Dasselbe Abschlussverfahren wendet Schlegel auch bei der Übertragung der „Photos trouvés“ (Ende 1980er Jahre) mittels Siebdruck auf Blei oder Glas an. Bei diesen Arbeiten bilden pornographische Amateurfotografien aus den 1960er Jahren, deren Negative Eva Schlegel in einer Problemstoffsammelstelle gefunden hatte, das Ausgangsmaterial. Die Künstlerin zielt hier auf den voyeuristischen Blick des Betrachters, und bearbeitet die Fotos aus weiblicher Sicht, um einen feministischen Standpunkt zu positionieren.

Eva Schlegel
Ohne Titel, 2001
Foto auf Glas / Text auf Transparentpapier
8-teilige Serie
Je 43 x 30 cm
Foto: Archiv Sammlung Essl

Die achtteilige Arbeit „Ohne Titel“ (2001) setzt sich aus fünf auf Glas montierten Farbfotos und drei Texten auf Transparentpapier zusammen, die in zwei Reihen übereinander angeordnet sind. Die Gesichtszüge der abgelichteten Frauen verblassen, ihre Konturen verschwimmen im Hintergrund und die Texte werden unkenntlich.
Auch hier arbeitet Eva Schlegel mit der Ästhetik der Unschärfe. Sie findet Bildvorlagen oft zufällig in Modezeitschriften, Zeitungen oder auf Flohmärkten und vergrößert sie, kopiert oder fotografiert diese und lässt sie auf den unterschiedlichsten Bildträgern zu undeutlichen Erinnerungsbildern verschwimmen. Die bewusst eingesetzte Verunklärung reduziert den Informationsgehalt der Bilder, lässt die Motive weicher, in Auflösung erscheinen und verschiebt sie ins Schemenhafte und Malerische.

Das Jahr 1993 markiert den Beginn der Werkgruppe mit unlesbarem Text, die sich mit den Grenzen von Wahrnehmung beschäftigt. Sie setzt sich theoretisch mit Schrift auseinander und stellt dabei die Frage: „Warum sehen wir Text sofort als solchen, selbst wenn er vom primären Informationsgehalt befreit ist?“2
1995 gestaltet Eva Schlegel in Zusammenarbeit mit Coop-Himmelb(l)au für die Biennale in Venedig eine großformatige Glaswand mit verschwommenen schwarzen Textzügen, die vor die Fassade des österreichischen Pavillons gestellt wurde und erreicht damit internationale Bekanntheit.

Eva Schlegel
Ohne Titel, 1999
Glaswand, unscharfer Text, beidseitig sandgestrahlt
330 x 1167 cm
Foto: Archiv Sammlung Essl

Auch für das Essl Museum hat Eva Schlegel eine Glaswand gestaltet, sie fungiert als Trennwand zwischen Café und großem Ausstellungssaal im zweiten Stock. Das Kunstwerk „Ohne Titel“ (1999) ist über die gesamte Oberfläche mit einem weißen, unscharfen Text versehen. Trotz ihrer Unlesbarkeit werden die darauf angebrachten, amorphen Konfigurationen als Schriftzüge gedeutet, denn aufgrund ihrer block- und zeilenartigen Anordnung werden diese sofort mit einem Text assoziiert.

In der fotografischen Arbeit „o.T.008“ (2003) ist die Figur einer schwarz gekleideten Frau auf ein Minimum ihrer Erkennbarkeit reduziert. Wie der flüchtige Eindruck einer weiblichen Gestalt oder eine traumhafte Erscheinung wirkt ihre schemenhafte Silhouette vor weißem Hintergrund.

Eva Schlegel
o.T. 66, 2005
Siebdruck auf Blei
160 x 115 cm
Foto: Archiv Sammlung Essl

Der Siebdruck auf Blei „o.T.66“ (2005) hingegen zeigt wesentlich konkreter eine nur mit einem weißen Handtuch bekleidete Frau, deren Kopf nach unten geneigt ist. Nur in leichter Unschärfe wiedergegeben, lebt diese Darstellung vom dunklen Bildträger, mit dem eine Fülle von Eigenschaften verbunden ist. Das undurchdringliche Grau des Bleis wird lediglich durch einige hellere Stellen im Vorhang und Handtuch durchbrochen, ansonsten bleibt seine Wirkung düster und bildbestimmend.

1) Eva Schlegel, „Mit Fotografie arbeiten“, in: Augenblick. Foto\Kunst, AK Essl Museum, Klosterneuburg, 2002, S. 122.
2) Ebd.


Mela Maresch und Elisabeth Pokorny-Waitzer


Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum

2008 MEISTERWERKE DER SAMMLUNG ESSL Schömer-Haus
2008 KOMPLEX. Österreichische Gegenwartskunst aus der Sammlung Essl, Museum am Ostwall, Dortmund
2007 A TRIBUTE 35 YEARS OF THE ESSL COLLECTION, Schömer-Haus
2007 PASSION FOR ART. 35 Jahre Sammlung Essl
2007 FOTO.KUNST. Zeitgenössische Fotografie aus der Sammlung Essl
2006 ÖSTERREICH: 1900 – 2000. Konfrontationen und Kontinuitäten
2005 Esslsbrücke - FotografInnen im Dialog mit Werken der Sammlung Essl
2003 PERMANENT 04
2003 HUMAN STORIES. Fotoarbeiten und Malerei aus der Sammlung Essl,Museum Ludwig, Budapest
2002 AUGENBLICK. FOTO\KUNST
2000 50 Meisterwerke Zeitgenössischer Künstlerinnen aus der Sammlung Essl, Galerie Schloß Puchheim, Attnang-Puchheim_A
2000 PERMANENT 01
1998 ART.IST.INNEN. Künstlerinnen in der Sammlung Essl, Schömer-Haus
1989 Österreichische Malerei und Graphik nach 1945, Ausstellungszentrum Bärnbach_A


Weblink

www.evaschlegel.com >>


Weiterführende Literatur zu diesem Künstler finden Sie in der Bibliothek >> des Essl Museums.
updated: 22.06.2011