MARKUS SCHINWALD
geboren 1973 in Salzburg
lebt und arbeitet in Wien und Los Angeles
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Markus Schinwald, 2011
© Markus Schinwald / la Biennale 2011 Austria
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Persönliche Daten
Studium an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz und Humboldt-Universität, Berlin
2011 Künstler des Österreichischen Pavillons, 54. Internationale Kunstausstellung La Biennale di Venezia
Zum Werk
Es sind keine gewöhnlichen Personen-Portraits, die Markus Schinwald anfertigt. Wie in Anlehnung an die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Persona1 finden sich die Dargestellten – so als wären sie hinter einer Maske – immer wieder hineingezwängt in außergewöhnliche Räume, surreale Situationen, widernatürliche Handlungen, komische Verrenkungen und einschränkende Kleidungsstücke. In seinen übermalten Gemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts tragen die Männer und Frauen Stützapparate und schlaufen-, halfter-, masken- und schmuckartige Gebilde. Diese werden vom Künstler selbst auch als „nette launische Dinger, als Prothesen für unbestimmte Fälle“2 bezeichnet. Wie Stöckelschuhe, die demjenigen, der sie trägt, vorübergehend ein anderes Gefühl verleihen können, dürfen auch die Anhängsel jederzeit wieder abgelegt werden, meint Schinwald.
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1st Part Conditional, 2004
Duratrans auf Spiegel
Je 120 x 90 cm
4-teilige Serie
Foto: courtesy Galerie Georg Kargl, Wien
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1st Part Conditional, 2004
Duratrans auf Spiegel
Je 120 x 90 cm
4-teilige Serie
Foto: courtesy Galerie Georg Kargl, Wien
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Neben dem Medium der Performance, arbeitet Markus Schinwald auch intensiv mit Fotografie und Video. Ursprünglich aus dem Bereich Mode kommend, fließen auch sein Mitwirken im Opernbereich und die Auseinandersetzung mit Genres der Unterhaltungsindustrie, wie Sitcom und Spielfilm, immer wieder in die Arbeiten ein. Aber auch die Theorien Freuds hinterlassen darin häufig Spuren. Schinwalds Arbeitsweise ist außerdem geprägt von einer starken Auseinandersetzung mit architektonischen Räumen und deren Atmosphäre. Für Fotografien und Videos sucht er nach außergewöhnlichen räumlichen Settings oder kreiert solche, wie 2009 im Kunsthaus Bregenz. Auch sonst legt er Wert auf die Form der Präsentation der ausgestellten Objekte. Er inszeniert diese und bettet sie in ein möglichst klares und funktionelles Displaysystem ein. Die Wirkung von Licht und Schatten spielt sowohl hier, wie auch in den manipulierten Gemälden eine große Rolle. Beispiele dafür sind die Personale 2009 im Műcsarnok, Kunsthalle Budapest und seine Einzelschau 2011 auf der Biennale von Venedig.
Die Fotografien "1st Part Conditional" entstanden 2004 parallel zum Dreh des gleichnamigen Videos (35 mm, 3 min). Eine kurze Erklärung dazu lautet: „Ein Film über die Konversion3 einer psychischen Verdrehung in eine physische Konvulsion4.“5 In Anlehnung an die Theorien zur Hysterie, die ja auch den Ausgangspunkt für Freuds Untersuchungen bilden, können sich psychische Störungen u.a. im Beschwerdebild von Gehstörung, Bewegungsdrang und Lähmungen äußern. Der Körper dient in diesem Fall als Projektionsfläche der Seele. In Schinwalds Arbeit nimmt der männliche Protagonist hier eine eher passive, in sich gekehrte Rolle ein. Wie in einem Schockzustand steht ihm jedoch Schweiß auf der Stirn und man kann nur so indirekt darauf schließen, was in ihm gerade emotional vorgeht. Bei der weiblichen Protagonistin im Hosenanzug gerät ganz offensichtlich alles außer Kontrolle. Sie ist nicht mehr in der Lage, ihre Bewegungen zu koordinieren und sieht sich Zuckungen am ganzen Körper ausgesetzt. Strauchelnd sackt ihr Körper immer wieder ein und bäumt sich dann auf. Die Möbel rund um sie herum zerbersten ebenso.
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Contortionists (Daniela), 2006
C-Print
100 x 160 cm
Foto: courtesy Galerie Georg Kargl, Wien
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Die schon 2003 von Schinwald begonnene Fotoserie "Contortionists" entstand aus einem Projekt mit Akrobaten heraus. Ähnlich wie schon in der Arbeit "1st Part Conditional" spielt hier wieder die Vorstellung eine Rolle, dass ein intensiver psychischer Zustand körperlich in Erscheinung tritt.6
Lisa Grünwald
1) Personare bedeutet im Lateinischen soviel wie „hindurchklingen, hindurchhallen“. Von dieser Bedeutung leitet sich auch die Bezeichnung für die Masken im griechischen Theater ab, welche den ganzen Kopf bedeckten und häufig eine trichterförmige Mundöffnung besaßen, was den Stimmen zu einen durchdringenden Schall verhalf.
2) Markus Schinwald. Tableau.Twain, AK Frankfurter Kunstverein, Berlin/New York 2004, S. 52.
3) Konversion (Psychologie), nach Sigmund Freud die Übertragung von Affekten auf Organe. Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Konversion (11.8.2011)
4) Konvulsionen, [Konvulsion (Sg.) med.-fachspr. für Schüttelkrampf; von Lat. convellere: losreißen, erschüttern] sind sich in Serie wiederholende Krämpfe der Körpermuskulatur, in aller Regel verbunden mit einem Bewusstseinsverlust. Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Konvulsion (11.8.2011)
5) Markus Schinwald. Tableau.Twain, AK Frankfurter Kunstverein, Berlin/New York 2004, S. 227.
6) Vgl. Ebenda: S. 227.
AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
| 2007 |
FOTO.KUNST. Zeitgenössische Fotografie aus der Sammlung Essl |
Weiterführende Literatur zu diesem Künstler finden Sie in der
Bibliothek >> des Essl Museums.
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updated: 12.09.2011
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