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FRANZ RINGEL

Geboren 1940 in Graz
Gestorben 2011 in Graz

franz ringel franz ringel
Franz Ringel, 2005
Eröffnung im Essl Museum
Spanier, 1981
Acryl auf Leinwand
200 x 170 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien

Persönliche Daten

1955-59 Kunstgewerbeschule, Graz
1959-60 Hochschule für angewandte Kunst, Wien
1960-65 Akademie der Bildenden Künste, Wien (bei Albert Paris Gütersloh)
1968 Gründungsmitglied der Gruppe „Wirklichkeiten
Mitglied der Wiener Secession
1969 Theodor-Körner-Preis
1987 Preis für Malerei und Grafik der Stadt Wien
1991 Würdigungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst


Zum Werk

„Mein Malvortrag ist nicht wüst. Ich male kein Blut. Ich male mit der Hand. Ich bin ein anständiger Maler. Meine Bilder sind keine Provokationen. Bei mir ist das Kunstwerk sicherlich das Produkt einer totalen Enthemmung.“ 1
Franz Ringel

Diese Enthemmung ist in seinen Bildern deutlich spürbar. Der österreichische Maler Franz Ringel arbeitet spontan aus dem Unterbewusstsein heraus. Figurale Motive werden in ihrer Körperlichkeit entfremdet, bis zur Hässlichkeit verzerrt. Ringels exzessiver, kräftiger Strich zieht sich durch das gesamte Werk.

Franz Ringel Franz Ringel
Kasperl am elektrischen Stuhl, 1969
Mischtechnik auf Papier
74 x 60 cm
Zwillinge, 1971
Mischtechnik auf Papier aufkaschiert
150 x 130 cm
Foto: Franz Schachinger, Wien

Ringels Malerei begann, inspiriert durch die Künstler der Cobra-Gruppe stark abstrahierend, ein komplexes Netz in den Farben des Expressionismus’. Seine Prototypen werden später in ihrer Figürlichkeit stark überzeichnet und karikaturhaft umrissen. Dieser 1969 erfundene „Kasperlstil“ ist sexuell besetzt. Prägend ist für den Künstler auch seine Begegnung mit Jean Dubuffet in Paris (1972-73), wo eine Freundschaft zwischen den Künstlern entsteht. Anregungen aus der Art Brut-Sammlung Dubuffets und dessen eigenem Werk sind in den folgenden Jahren in Ringels Arbeiten zu finden.

Anfang der 1980er wird seine Malerei lauter und die Farbe Grün taucht erstmals in den Werken auf. Seine emotional aufgeladenen Bilder mit Kopfdarstellungen entstehen, worunter sich viele Portraits, wie auch Selbstportraits (1986) befinden. Mit schwungvollem Strich und auch direkt aus der Tube auf die Leinwand gedrückt sind diese formatfüllenden Portraitköpfe in Farben gehalten, die in ihrer Gegenüberstellung schockieren. Als Paradebeispiele dieser Werkphase ließen sich die großformatigen Werke „Spanier“ und „Spanierin“ (beide von 1981) heranziehen. Meist überwiegt ein Farbton, der wild und nahezu aggressiv auf die Leinwand aufgebracht wird, mit der Hand wird in Farbmassen gewühlt und hineingekratzt.

Die wenige Jahre umfassende Beschäftigung mit Aktdarstellungen anfang der 1990er Jahre bleibt in sich abgeschlossen. Ringel hält den menschlichen Körper mit flüssigem Strich in seinen Umrissen fest und betont vor allem die Geschlechtsmerkmale und Köpfe. Sie werden zeichnerisch von schwarzen Strichbündeln und Verknäuelungen überlagert und stellenweise übermalt.

Franz Ringel
Violinkonzert (Zyklus Beethoven), 1991
Öl auf Leinwand
170 x 130 cm
Foto: Atelier Laut

Im seinem Beethoven-Zyklus (1991) sind kreisförmige, sprudelnde Farb-Floskeln eingebaut, die in ihrer Anordnung die Musik versinnbildlichen. Wie einzelne Töne kraftvoll zu einem Akkord gegeneinander schwingen, sind sie auf die Leinwand aufgebracht. Sie bewegen sich im Kreis wirbelnd und von den Seiten her schwebend auf die Mitte zu.

Im Zyklus der „Göttlichen Komödie“ (1995) mit seinen melancholischen, archaischen Figuren dominieren die Grundfarben, die Köpfe sind schemenhaft, ohne Körper und von einer starken Ausdruckskraft erfüllt. Ringel bleibt auch in den folgenden Jahren seinen Gestaltungsweisen treu. Noch dicker wird jedoch die Farbe aufgetragen und damit die Haptik seiner Kopfgestalten betont. Der Künstler bedient sich der Farbe als emotionales Ausdrucksmittel, aber auch ihrer Materialität.

Elisabeth Pokorny-Waitzer

1) Franz Ringel, in: Franz Schuh (Hg.), Franz Ringel, Wien, 1991, S. 7.


AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum

2010 SCHÖNES KLOSTERNEUBURG. Albert Oehlen hängt Bilder der Sammlung Essl
2008 KOMPLEX. Österreichische Gegenwartskunst aus der Sammlung Essl, Museum am Ostwall, Dortmund
2007 A TRIBUTE. 35 YEARS OF THE ESSL COLLECTION
2007 PASSION FOR ART
2006 Gabi Bösch Gedenkausstellung, Villa Wessel, Iserloh_D
2006 ÖSTERREICH: 1900 – 2000. Konfrontationen und Kontinuitäten
2005 Zeitgenössische österreichische Kunst und Malerei der Nachkriegszeit aus der Sammlung Essl, Museo de Arte Moderno de México Mexico City; Weitere Station: Museo de Arte Contemporáneo de Monterrey
2005 FRANZ RINGEL. Stationen einer Reise
2003 PERMANENT 04
2002 PERMANENT 02
2000 PERMANENT 01
2001 Die Österreichische Moderne nach 1945 in der Sammlung Essl – Malerei, Grafik, Zeichnung, Kunsthalle Erfurt
2001 FALLOBST. Witz Ironie Kunst
2000 Österreichische Malerei der Achtziger Jahre, Gallery Klovicévi Dvori, Zagreb
1999 the first view
1999 Querfeldein - Werke aus der Sammlung Essl, Zwettler Kunstverein; Blaugelbe Viertelsgalerie, Rosenau_A
1998 Umbruch. Kunst der 60er Jahre aus der Sammlung Essl
1997 Utopie und Weltschmerz. Arbeiten auf Papier
1997 Papierarbeiten der Sammlung Essl. Zeitgenössische Österreichische Kunst, St. Louis_USA
1996 Malerei in Österreich 1945-1995. Die Sammlung Essl im Künstlerhaus Wien; Weitere Station: Mücsarnok Kunsthalle, Budapest
1996 Realismus als Methode
1991 Das Jahrzehnt der Malerei. Österreich 1980 bis 1990. Sammlung Essl, Kunstforum Wien; 1992-1996 weitere Stationen in Europa, Indien und den USA
1989 Österreichische Malerei und Graphik nach 1945, Ausstellungszentrum Bärnbach_A
1987 1987 Österreichische Gegenwartskunst aus der Sammlung bauMax; mehrere Stationen in Österreich



Weiterführende Literatur zu diesem Künstler finden Sie in der Bibliothek >> des Essl Museums.
updated: 31.10.2011