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JOSEF MIKL

1929 geboren in Wien
2008 gestorben in Wien

Josef Mikl Josef Mikl
Archiv Josef Mikl, 2006 Raimund – der Diamant des Geisterkönigs Amine vor Veritatius, 1996
(4-teiliges Werk)
Öl auf Leinwand
150 x 100 cm
Foto: Mischa Nawrata

Persönliche Daten

1946-48 Höhere Graphische Lehr- und Versuchsanstalt, Wien
1948-55 Akademie der bildenden Künste bei Josef Dobrowsky
1955 Förderungspreis der Stadt Wien
1956 Mitbegründer der Gruppe „St. Stephan“
(Mikl, Hollegha, Prachensky, Rainer)
Leitung Monsignore Otto Mauer
1968 Vertreter Österreichs auf der 34. Internationalen Biennale in Venedig
1969-97 Professur an der Akademie der bildenden Künste Wien
Meisterschule für Malerei
1972-97 Meisterschule für Naturstudien (Abendakt)
1973 Preis der Stadt Wien für bildende Kunst, Malerei und Graphik
1983/85/88/90 Klasse für Malerei, Aktzeichnen und Skulptur an der Sommerakademie, Salzburg
1990 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst
2004 Großes goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich


Zum Werk

„Zum Bildwerden braucht es einen Inhalt. Das unterscheidet das Bild vom Muster, von der Dekoration – doch selbst Dekorationen bestehen aus Streifen, Ringen, Flächen. Aber alles, was sich hin zum Geistvollen, hin zur Wahrheit bewegt, bedarf einer Vorstellung, eines Inhaltes, eines Gegenstandes. Daher kann man nicht von gegenstandslosen Bildern sprechen.“1

Josef Mikl gehört zu jenen Künstlern, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Wien der 1950er Jahre der Abstraktion in Österreich zum Durchbruch verhalfen. 1956 bildete sich mit Josef Mikl, Wolfgang Hollegha, Markus Prachensky und Arnulf Rainer um die neu gegründete Galerie St. Stephan eine Künstlergruppe, die stark von der informellen Malerei Amerikas inspiriert war. Sie bestimmte in den folgenden Jahren die Wiener Avantgarde-Szene, die in Monsignore Otto Mauer, dem Leiter der Galerie, ihren größten Förderer fand.

Josef Mikl Josef Mikl
Roter Hügel, 1984
Öl auf Leinwand
100 x 80 cm
Foto: Photoatelier Laut, Wien
B8 Figur mit blauer Wand, 1993
Öl auf Leinwand
198 x 198 cm
Foto: Photoatelier Laut, Wien

Im Frühwerk von Josef Mikl bildet der menschliche Körper den Ausgangspunkt für seine Kompositionen. Das Objekt lässt sich im abstrahierten Bild rückwirkend meist kaum zurückverfolgen. Oft verweisen nur die Bildtitel auf das zugrunde liegende Sujet. Tektonisch umgesetzt, mit ineinander greifenden Röhrenelementen und Zylindern ist seine Malerei noch stark grafisch determiniert, Farben werden in den 1960er und 70er Jahren eher sparsam und zurückhaltend eingesetzt. Abstrakte, zylindrische Formen, die von der Aktzeichnung her entwickelt wurden, werden bereits früh zum bestimmenden Aufbauelement und lassen sich in seinem gesamten Werk beobachten.

Seine Malerei konzentriert sich im Laufe der Jahre auf eine Verdichtung von farbigen Flächen und rudimentären Körperformen hin, die vor allem durch die Leuchtkraft von Primärfarben bestimmt werden. Dominierende Orange- und Rottöne, oft auf gelbem Grund, durchsetzt mit Akzenten in Blau und Schwarz, tragen viel zur Vitalität der Malerei bei. Auch kommen starke Farbkombinationen wie Rot mit Hyazinthblau in großem Variantenreichtum vor. Ein wesentliches Element für den Künstler ist die Formfindung während des Schaffensprozesses, ein von durchdachtem Kalkül begleiteter gestischer Malakt. Mit breiten, kraftvollen Pinselstrichen trägt er Farben auf, die er in Akkorden zueinander fügt. Der Duktus als Gestaltungselement bestimmt die elementaren Kurven, die den Gemälden eigen sind.

Josef Mikl
Deckenbildentwurf mit roter Mitte, 1994
Öl auf Leinwand
130 x 360 cm
Foto: Stefan Fiedler – Salon Iris, Wien

Von besonderer Bedeutung sind Mikls großformatige Arbeiten, wie die künstlerische Ausgestaltung des nach einem Brand wiedererrichteten Redoutensaales in der Wiener Hofburg, wofür er 1995 den Auftrag von der Republik Österreich erhält. Im großformatigen Deckengemälde (404 qm) lässt Mikl vierunddreißig Strophen des Gedichts „Jugend“ von Karl Kraus einfließen. Für die 22 Wandbilder im Redoutensaal, die zusammen eine Gesamtfläche von 214 qm ergeben, setzt er in gestischem Farbauftrag Szenen aus den Büchern seiner Lieblingsautoren Elias Canetti, Johann Nestroy und Ferdinand Raimund um.

Mikl erklärt seinen malerischen Bezug zum Theater folgendermaßen: „Im Theater sind die Auftritte von einem, von zwei Komödianten, die spannenden, die konzentrierten. Kommen weitere dazu, wächst die Gefahr, es entsteht Zerstreuung, Verwirrung. Die guten Theaterstücke, die guten Opern, die gute Malerei entgingen dieser Gefahr seit altersher. Wer mehr wegnimmt, bringt mehr.“2

Einige Monate vor der feierlichen Wiedereröffnung der Redoutensäle wurden im Schömer-Haus in Klosterneuburg von Mai bis August 1997 die Entwürfe Josef Mikls für die Wand- und das Deckengemälde in einer eigenen Ausstellung präsentiert.

In den Arbeiten ab den 1990er Jahren wird die Diagonale betont, die Malweise immer freier, bis sie mit locker gesetzten, dünnflüssig gemalten Stellen einen Höhepunkt an transparenter, gestalterischer Freiheit erreicht.
Im Gemälde „Raimund – der Diamant des Geisterkönigs. Amine vor Veritatius“ (1996) aus dem 4-teiligen Raimundzyklus der Sammlung Essl breiten sich dünne Lagen von locker auf die Leinwand gesetzten, rote, orange und schwarze Farben neben- und übereinander aus. Das kräftige Rotorange dominiert zusammen mit der durchblitzenden weißen Leinwand die Bildmitte und leuchtet durch die umgebenden schwarzen Akzente in besonders heller und warmer Intensität.

Elisabeth Pokorny-Waitzer

1) Josef Mikl im Gespräch mit Wolfgang Drechsler in: Josef Mikl. Arbeiten 1988 – 1993, Wien 1993, Abb./S. 40 verso.
2) Josef Mikl in: Josef Mikl. Johann Nestroy Häuptling Abendwind, Selbstverlag, 1998, o.S.




AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
2012 DIE SAMMLUNG
2011 FOCUS: ABSTRAKTION
2010 EinschliESSLich / AusschliESSLich, Schömer-Haus, Klosterneuburg
2008 MEISTERWERKE DER SAMMLUNG ESSL, Schömer-Haus
2008 KOMPLEX. Österreichische Gegenwartskunst aus der Sammlung Essl, Museum am Ostwall, Dortmund
2007 PASSION FOR ART. 35 Jahre Sammlung Essl
2007 A TRIBUTE35 Jahre Sammlung Essl
2006 ÖSTERREICH: 1900 – 2000. Konfrontationen und Kontinuitäten
2005 COLECCIÓN ESSL. Arte contemporáneo austriaco y pintura de la Posguerra, / Zeitgenössische österreichische Kunst und Malerei der Nachkriegszeit aus der Sammlung Essl, Museo de Arte Moderno de México, Mexico City, weitere Station: Museo de Arte Contemporáneo de Monterrey
2004 ST. STEPHAN – Wolfgang Hollegha, Josef Mikl, Markus Prachensky, Arnulf Rainer
2002 PERMANENT 02
2001 Die Österreichische Moderne nach 1945 in der Sammlung Essl – Malerei, Grafik, Zeichnung; Kunsthalle Erfurt
2000 PERMANENT 01
2000 Österreichische Malerei der Achtziger Jahre, Gallery Klovicévi Dvori, Zagreb
1999 the first view
1998 Umbruch. Werke der 60er Jahre aus der Sammlung Essl, Schömer-Haus
1997 JOSEF MIKL, Schömer-Haus
1997 Utopie und Weltschmerz. Arbeiten auf Papier, Schömer-Haus
1997 Abstraktion in Österreich. Bilder aus der Sammlung Essl, Schömer-Haus, Klosterneuburg; Art Gallery, Slovenj Gradec_SLO
1997 Works on paper from the Essl Collection of contemporary austrian Art / Papierarbeiten der Sammlung Essl. Zeitgenössische Österreichische Kunst, St. Louis_USA
1996 Malerei in Österreich 1945-1995. Die Sammlung Essl im Künstlerhaus Wien; weitere Station: Mücsarnok Kunsthalle, Budapest
1991 DAS JAHRZEHNT DER MALEREI. Österreich 1980 bis 1990. Sammlung Essl, Kunstforum Wien; 1992-1996 weitere Stationen in Europa, Indien und den USA
1989 Österreichische Malerei und Graphik nach 1945, Ausstellungszentrum Bärnbach_A
1987 Österreichische Gegenwartskunst aus der Sammlung bauMax; mehrere Stationen in Österreich


Weblink

josef-mikl.com >>


Weiterführende Literatur zu diesem Künstler finden Sie in der Bibliothek >> des Essl Museums.
updated: 22.06.2012