ROSA LOY
1958 geboren in Zwickau, Deutschland
Lebt und arbeitet in Leipzig
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Rosa Loy,
2006
zur Eröffnung „Made in Leipzig“ im Essl Museum
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Dampf, 2006
Kasein auf Leinen
170 x 130 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© VBK, Wien, 2011 bzw. VG Bildkunst Bonn, 2011
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Persönliche Daten
| 1976-1985 |
Studium an der Humboldt Universität in Berlin
Diplom als Gartenbauingenieurin |
| 1985 - 1990 |
Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst
Leipzig
bei Prof. Rolf Felix Müller |
| 1990 - 1993 |
Meisterschülerin an der Hochschule für Grafik
und Buchkunst Leipzig
bei Prof. Rolf Münzner |
| 2005 |
Woldemar-Winkler-Kunstpreis, Gütersloh
(zahlreiche Preise und Stipendien in den vorausgehenden Jahren) |
Zum Werk
Rosa Loy wird der „Neuen Leipziger Schule“ zugeordnet.
In ihrer figurativen Malerei greift sie auf kollektive Gedächtnisinhalte
und mythologische Stoffe ebenso wie auf persönliche Erlebnisse
und Erinnerungen zurück, die sie zu vielschichtigen, allegorischen
Bildern verdichtet. Die weiblichen Figuren ihrer Bilder sowie die
oftmals symbolisch aufgeladenen Motivfragmente lösen Assoziationen
zu unterschiedlichsten Zeiten und Räumen aus. Sie werden auf
der Bildfläche vergegenwärtigt und in einen Raum der Gleichzeitigkeit
zusammengestellt, wo sie zahlreiche Bedeutungshorizonte eröffnen.
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Rote Narzisse, 2006
Kasein auf Leinen
170 x 130 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© VBK, Wien, 2011 bzw. VG Bildkunst, Bonn, 2011
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In dem Werk „Rote Narzisse“ spielt Rosa Loy über
die Titelgebung und Darstellung auf den griechischen Mythos von
Narziss an. Die Hauptfigur beugt sich, wie der in sein Abbild verliebte
Narziss, über das türkisfarbig eingeflieste Wasserbecken.
Entgegen Narziss richtet die Frau ihren Blick jedoch nicht auf ihr
Spiegelbild, sondern wendet sich herausfordernd dem Betrachter zu.
Über die Haltung der Protagonistin und die kompositorische
Gestaltung wird der Blick des Betrachters auf die dunkle Wasseroberfläche
geleitet. Dort erscheint das nur fragmentarisch angedeutete Spiegelbild
der Frauengestalt. Es ist weniger „Abbild“ als malerischer
Umgang mit dem Farbmaterial. Die dunkle Wasseroberfläche wird
somit – einem abstrakten Gemälde gleich – zu einem
Bild im Bild.
Die Doppelung der Bildebenen sowie die Thematisierung von Abbildhaftigkeit
zeigen auf, dass Rosa Loys Werke immer auch Reflexionen über
das Medium der Malerei sind. Die Grundprinzipien der malerischen
Gestaltung - Farbe und Komposition - sind in ihrer Bedeutung den
narrativen Bildelementen vorgeordnet. Im Bild „Rote Narzisse“
ist die rote Farbe entscheidend: Neben der spezifischen Farbsymbolik,
die sie transportiert, verbindet sie alle drei Protagonistinnen
und verknüpft die, in separate Handlungsabläufe eingebundenen
Figuren, miteinander und mit dem Bildfeld. So bilden sich über
den Einsatz der malerischen Mittel Wechselwirkungen zwischen den
einzelnen Bildelementen aus, die zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten
eröffnen.
Der provokante Blick der weiblichen Hauptfigur lädt gleichzeitig
dazu ein, über die Rolle der Frau, die in der Geschichte
der Kunst häufig als Bildobjekt, als Muse oder Venus dem
voyeuristischen Blick dargeboten wurde, zu reflektieren. Klassische
Zuschreibungen wie die Verbindung der Frau mit der Natur werden
in den malerischen Auseinandersetzungen der Künstlerin mit
dem „Mysterium der Frau“, im Sinne einer Reflexion
über vergangene und gegenwärtige weibliche Rollenbilder,
zur Diskussion gestellt. 1
Gleichzeitig macht Rosa Loy mit ihrer vielschichtigen Malerei
darauf aufmerksam, dass es auf die Frage „Was kann Weiblichkeit
heute sein?“ keine eindimensionalen und klassifizierenden
Antworten geben kann.2 Anstatt Identitäten festzuschreiben,
spaltet und spiegelt die Künstlerin ihre Figuren durch das,
für ihre Malerei zentrale, romantische Motiv des Doppelgängers.
Denn, so Barbara Steiner, „Doppelgänger bedingen eine
sprichwörtliche Gespaltenheit, ein Sichgegenübertreten.
Verschiedene Rollen anzunehmen erlaubt es, mögliche Identitäten
durchzuspielen, die gleichberechtigt nebeneinander stehen können.“
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Diese verschiedenen Rollen dienen als Identifikationsfiguren und
laden in der Betrachtung der Werke Rosa Loys dazu ein, sich dem
Spiel der freien Assoziation hinzugeben, eigene Geschichten zu
entwickeln und persönliche Fragestellungen zu reflektieren.
Stephanie Damianitsch
1) http://www.rosa-loy.de
2) Rosa Loy, zitiert aus: „Rosa Loy und Neo Rauch im Gespräch
mit Günther Oberhollenzer“, in: Rosa Loy und Neo
Rauch. Hinter den Gärten, AK Essl Museum, Klosterneuburg;
München/ London/ New York: Prestel Verlag, 2011.
3) Barbara Steiner, „Die Malerei als Doppelgänger“,
in: Rosa Loy. Manna, AK Kunsthalle Gießen; Ostfildern:
Hatje Cantz Verlag, 2011, S. 237.
Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
Weblink
www.rosa-loy.de >>
Weiterführende Literatur zu dieser Künstlerin finden
Sie in der Bibliothek >>
des Essl Museums. |