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ANISH KAPOOR

1954 geboren in Bombay
Lebt und arbeitet in London

  Anish Kapoor
 
Anish Kapoor, 2003
Foto: Jonnie Shand-Kydd



Persönliche Daten

1973-77 Studium am Hornsey College of Art, London
1977-78 Studium an der Chelsea School of Art, London
1990 Premio Duemila Preis
1991 Verleihung des Turner Prize
2003 Ernennung zum Commander of the Order of the British Empire


Zum Werk

"Meine (bildhauerische) Arbeit ist in vielerlei Hinsicht sehr rational und sehr geordnet, und trotzdem ist das, wovon ich rede, irrational und ungeordnet und chaotisch" 1
Anish Kapoor


Ende der 70er Jahre beginnt Anish Kapoor leuchtend monochrome Farbpigmente als plastisches Material für seine Skulpturen zu verwenden, welche an architektonische, geometrische aber auch organische Formen angelehnt sind. Auf dem Boden und an Wänden installiert gehen die Skulpturen durch das pulvrige Pigment eine Verbindung mit ihrer Umgebung ein und lösen so die Grenzen von Objekt und Raum auf. Die hier thematisierten Dualismen ziehen sich durch Kapoors gesamtes Werk und werden dabei stetig erweitert, so beschäftigt ihn ebenso das Verhältnis von Materialität zu Immaterialität, Opazität zu Transparenz, sowie von Leere zu Fülle. Seine Skulpturen und Installationen fordern die Betrachter heraus, neue Positionen und Blickwinkel einzunehmen, um so das Werk und den Raum auf vielfältige Weise zu erschließen.


Die Auseinandersetzung mit der Leere beziehungsweise dem negativen Raum bildet am Ende der 80er Jahre den Schwerpunkt seiner Skulpturen. Mit schwarzem Pigment werden Hohlräume in Sandsteinblöcke eingelassen, die die Schwere des Materials aufzuheben scheinen. Dieses Konzept der Verunsicherung überträgt Kapoor auch auf den Ausstellungsraum selbst, indem er Hohlräume in Böden und Wände einlässt, deren Tiefe sich nur schwer erahnen lassen.

 

Kapoor Anish Kapoor  

Ohne Titel, 2004
Aluminium bemalt
226 x 226 x 48 cm
© Anish Kapoor
Foto: Courtesy Lisson Gallery, London

Ohne Titel, Seitenansicht, 2004
Aluminium bemalt
226 x 226 x 48 cm
© Anish Kapoor
 

 

Seit Mitte der 90er Jahre geht Kapoor mit seinen Skulpturen und Installationen der Konstruktion eines Tiefenraumes nach, der jedoch aufgrund der spiegelnden Oberfläche gleichzeitig aufgehoben wird. Diese aus hochpoliertem Stahl konstruierten, konkaven Rundspiegel und Objekte reflektieren Raum und Betrachter, stellen sie auf den Kopf und verzerren sie leicht. Das in der Sammlung Essl befindliche Werk „Ohne Titel“ von 2004 irritiert und fasziniert den Betrachter durch seine changierende Farbigkeit, Akustik und Optik. Je nachdem, wie weit man sich dem Werk frontal oder seitlich nähert, beziehungsweise davon weg bewegt, verändert sich sowohl die Farbe der Oberfläche, sowie alle Körper und Formen des umgebenden Raumes, die sich darin spiegeln. Der Betrachter verdoppelt sich mitunter und die Silhouette passt sich in leichten Rundungen verzerrt dem schüsselförmigen Kunstobjekt an. Irisierende Farben wechseln in zarten Übergängen von Grün und Gelb zu Orange sowie zu Rot- und Lilatönen. Raum und Betrachter werden so selbst zum Inhalt des Werkes und befinden sich mit ihm in einem kontinuierlichen Prozess der Veränderung.

In derselben Zeit beginnt Kapoor an ersten Monumentalskulpturen im musealen und öffentlichen Raum zu arbeiten. Formen und Materialien werden teilweise wieder aufgegriffen und transformiert. Es entstehen Objekte, die die Spiegeltechnik im öffentlichen Raum anwenden, sowie Monumentalskulpturen gefertigt aus roter PVC-Membran oder auch Cortenstahl. Daneben schafft Kapoor Installationen aus rotem Wachs, welche sich durch eine eingebaute Technik fortwährend selbst transformieren und so die Hand und Spuren des Künstlers auszulöschen versuchen. Dieser Möglichkeit geht er auch in seinen jüngsten Skulpturen nach, die mit Hilfe eines 3D-Druckers aus grauem und rötlichem Zement entstehen.

Alexandra Issel

1) Anish Kapoor im Interview mit Jeremy Lewison, „An der Schwelle zur Bedeutung. Die Zeichnungen von Anish Kapoor“, in: Anish Kapoor. Drawings 1997 - 2003, AK Lisson Gallery, London 2005, S. 199.



Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum

2010 SCHÖNES KLOSTERNEUBURG. Albert Oehlen hängt Bilder aus der Sammlung Essl
2007 PASSION FOR ART. 35 Jahre Sammlung Essl
2004 ANSELM KIEFER UND ZEITGENOSSEN. Neuankäufe der Sammlung Essl


Weblink

www.anishkapoor.com >>



Weiterführende Literatur zu diesem Künstler finden Sie in der Bibliothek >> des Essl Museums.
updated: 01.02.2011