STEPHAN BALKENHOL
1957 geboren in Fritzlar, Hessen
Lebt und arbeitet in Meisenthal, Frankreich und Karlsruhe, Deutschland
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Stephan Balkenhol, 2009
Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Paris/Salzburg
Foto: Zahra Kh-Alam
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Head of a man, 1992
380 x 140 x 140 cm
Wawa Holz bemalt |
Persönliche Daten
| 1976–1982 |
1976-1982 Studium an der Hochschule für Bildende Künste
Hamburg
bei Ulrich Rückriem |
| seit 1992 |
Professur an der Akademie für Bildende Künste
in Karlsruhe |
Zum Werk
„Wir stehen hier genauso herum wie du. Nicht mehr, nicht
weniger...“1
Der deutsche Bildhauer Stephan Balkenhol wurde mitte der 80er
Jahre bekannt
durch seine statuarischen Holzskulpturen, die eine geheimnisvolle
und zeitlose Wirkung in sich bergen. Auf den ersten Blick präsentieren
sie sich höchst naturalistisch, wie das Abbild eines einfachen,
normalen Menschen. Bei näherer Betrachtung erkennt man eine
relativ expressive Oberflächenbehandlung, die der fast ausdruckslosen
Figur entgegenwirkt. Balkenhols Menschenbilder sind geprägt
von Gegensätzen: Zum einen sind sie formalisiert, wie jederman,
oder jedefrau, der man täglich begegnet, zum anderen wirken
sie wiederum ziemlich individuell, was vor allem für die
Gesichter zutrifft. Ihre Wirkung ist eher zurückgenommen
und unaufdringlich, mit emotionsloser Mimik und simplen Körperhaltungen.
Und doch nehmen sie mit einer unglaublichen Präsenz den Raum
ein.
Seine Skulpturen strahlen eine friedliche Gelassenheit und fast
schon Gleichgültigkeit aus, die in eigentümlicher Weise
unser zeitgenössisches Menschenbild widerspiegelt. Der Betrachter
erkennt sich in der Figur wieder, vielleicht ist dies auch ein
Grund dafür, weshalb die Skulpturen im Öffentlichen
Raum eine hohe Akzeptanz erreichen.
Der Wiedererkennungseffekt von Balkenhols Brands ist sehr groß:
Jede Figur wird aus einem einzigen Baumstamm herausgearbeitet,
wobei der untere Teil sichtbar erhalten bleibt und als Sockel
fungiert. Der Umfang des Baumes gibt also auch immer das Volumen,
bzw. den Bewegungsraum der entstehenden Figur vor. Nachdem „man
normalerweise keinen nackten Menschen begegnet“2, bekleidet
Balkenhol seine Figuren mit einfacher, alltäglicher Kleidung.
Männer tragen meist schwarze Hosen und weiße Hemden,
Frauen ein simples Etuikleid.
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4 Eckfiguren
Männer schwarz-weiss, 2006
Wawa Holz bemalt
Je 101 x 58 x 50 cm
© VBK, Wien, 2010 |
in Kombination mit:
Frauenakt, 2008
Douglasfichte, Wawa Holz bemalt
210 x 83 x 82 cm
© VBK, Wien, 2010
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Alle Skulpturen werden von Balkenhol eigenhändig, ohne Assistenten
und mit nur minimalem Maschineneinsatz angefertigt. Einem obsessiven
Handwerker gleich, möchte Balkenhol „von A bis Z den
Produktionsprozess in der Hand haben; […].“3,
von der ersten Markierung am rohen Holzblock bis zur finalen Bemalung
der Figur.
Die wesentlichste Funktion der Farbe ist das Betonen der jeweiligen
plastischen Wirkung: die Figuren erhalten eine Lebendigkeit, sie
wirken moderner und zeitgenössischer, wie vom Leben imprägniert.
Somit stehen seine Werke auch ganz im Gegensatz zum klassischen
Skulpturenbegriff, wo die Materialien Marmor oder Bronze vorherrschen.
Reale Größenverhältnisse werden spielerisch umgangen,
indem er seine Holzfiguren entweder deutlich kleiner oder deutlich
größer als im normalen Leben gestaltet. Das Werk „Head
of a Man“ von 1992 für den öffentlichen Raum geschaffen,
demonstriert sehr gut, wie durch Monumentalisierung jeder Anschein
von Portraithaftigkeit aufgehoben wird. Sichtbar bleibende und
wegstehende Holzspäne, eine grob behauene, kantige Oberflächenstruktur
sowie das Miteinbeziehen der Holzmaserung sind typisch für
Balkenhols Handschrift. Eine von Kerben und Hieben gezeichnete
Holzoberfläche demonstriert auch eindringlich den Entstehungsprozess
der Skulptur.
Die Bandbreite seines Werks ist bereits enorm: Von der Ganzfigur,
über Büste und Kopfdarstellungen bis zum Relief sind alle Sujets
der Gattung Skulptur vertreten. Auf spielerische Weise entstehen
Kombinationen von Mensch- und Tierdarstellungen, sowie Figuren
mit Architekturelementen. Seit 2004 fertigt er für seine Skulpturen
jeweils passende paraventartige Holzreliefs als Hintergrund an,
wodurch die Figuren in ein spezielles Bühnenambiente eingebettet
werden. Besonders bei den kleineren Skulpturen entsteht hier der
Eindruck von Spielzeugfiguren.
Wie ein moderner Gepetto erschafft sich Balkenhol ganze Serien
mit tanzenden Paaren, gleichgültig abwartenden, stehenden
Männern, aber auch eine Fußballmannschaft oder eine
Schar von Pinguinen, die erhöht auf Sockeln stehend den White
Cube bevölkern. Jedoch, die scheinbar serielle Anfertigung
täuscht: Jede einzelne Figur wird neu erfunden und individuell
gestaltet. Gerade in diesen zahlreichen Variationen lässt
sich Balkenhols Meisterschaft entdecken.
Annette Stein
1) Christian Michelsen, „Skeptizismus und die Skulpturen
Stephan Balkenhols“, in: Stephan Balkenhol, AK Deichtorhallen,
Hamburg: Snoeck Verlag, 2008, S. 37.
2) Zit. Balkenhol, in: Stephan Balkenhol. Skulpturen, AK Von der
Heydt-Museum, Wuppertal u.a., 1998, S. 15.
3) Zit Balkenhol aus: Klaus Theweleit, „Meine eigene Pop-Art
erfinden“, in: Stephan Balkenhol, AK Deichtorhallen, Hamburg:
Snoeck Verlag, 2008, S. 118.
AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
Weiterführende Literatur zu diesem Künstler finden Sie in der
Bibliothek >> des Essl Museums.
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