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MAJA BAJEVIĆ

1967 geboren in Sarajevo
Lebt und arbeitet in Paris und Sarajevo

Maja Bajevic Maja Bajevic
Maja Bajević, 2006
Foto: Almin Zrno
WOMEN AT WORK – WASHING UP, 2001
Videostill (Einblick ins Cemberlitas Hamam, Istanbul)
Video 15’14’’, Farbe, Ton
© VBK, Wien, 2012
Foto: Emanuel Licha

Persönliche Daten

1991 Studium an der Kunstakademie in Sarajevo
1991-96 Studium an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris im Fach Multimedia-Kunst
2003 Teilnahme an der 50. Biennale Venedig
2005-08 Gastprofessur an der Università IUAV di Venezia
2006 einjähriges DAAD Stipendium in Berlin
2007 documenta 12, Kassel


Zum Werk

„Auf diese Weise zerstörten wir etwas, das wir selbst gemacht hatten, wie es in der Geschichte oft geschieht. Der Vorgang des Waschens hat in vielen Kulturen eine sakrale Bedeutung. In der Psychologie ist das Reinigen als traditionelle, weibliche Reaktion auf Schmerz, Verlust, Tod oder Stress bekannt. Die letzte Möglichkeit, Kontrolle über unser eigenes Schicksal zu übernehmen, ist das Waschen, den Dreck der äußeren Welt und seinen durchdringenden Einfluss auf uns abzuputzen1.“

„Die Ansicht, dass Hausarbeit nur Frauensache sei, ist rückständig und hat nichts mit der Rolle der Frau in einer sozialistischen Gesellschaft zu tun.“
Josip Broz Tito


Die bosnische Video- und Installationskünstlerin Maja Bajevic beschäftigt sich in ihrem Werk mit Fragen zur sozialen, politischen und kulturellen Identität in dem vom Krieg zerrissenen Bosnien. Seit den 1990ern hat sie Themen wie ungewollte Heimatlosigkeit, kollektives Gedächtnis und individuelle Erinnerung in ihren Arbeiten künstlerisch umgesetzt und die Folgen von Gewalt, religiösen und kulturellen Spannungen und den Handel mit Drogen und Waffen aufgezeigt. Als Performances auf- oder als Videos vorgeführt, erheben ihre Inhalte den Anspruch auf eine öffentliche Diskussion über Missbrauch von Macht und Religion.

Maja Bajevic Maja Bajevic
WOMEN AT WORK – WASHING UP, 2001
Videostill (Bajevic beim Waschen der Tücher)
Video 15’14’’, Farbe, Ton
© VBK, Wien, 2012
Foto: Emanuel Licha
WOMEN AT WORK – WASHING UP, 2001
Leinentuch (bestickt, ausgewaschen) / gerahmt
120 x 95 cm
© VBK, Wien, 2012
Foto: Mischa Nawrata, Wien

2001 hält sie im Rahmen der 7. Istanbul Biennale zusammen mit zwei Flüchtlingsfrauen aus Srebrenica fünf Tage lang eine jeweils zweistündige Performance im Cemberlitas Hamam in Istanbul ab. Die Vorführung konnte nur von Frauen besucht werden und setzte deren aktive Teilnahme voraus, sich dem reinigenden Ritus des Badens zu unterziehen. Der Titel „Women at work –washing up (Frauen bei der Arbeit – Wegwaschen)“ bezieht sich auf die von der Künstlerin und den muslimischen Frauen ausgeführte Tätigkeit. Die Rolle der Frau in einer im alten Jugoslawien von Männern dominierten Gesellschaft, die auch das tägliche Wäschewaschen miteinbezieht, wird hier als Kritik an der Politik eingesetzt. Leinentücher, die die Frauen in Sarajevo mit propagandistischen Sprüchen Titos bestickt hatten, werden solange in einem Trog mit schmutzigem Wasser gewaschen, bis sie sich auflösen, bis die Bedeutung der Worte „herausgewaschen“ wurde. Die sich wiederholende, monotone häusliche Arbeit wird von Bajevic in den öffentlichen Raum verlegt. Jeder Ausspruch Titos ist in bosnischer, türkischer und englischer Sprache gestickt worden, wie z.B. „We live as if there will be peace for a hundred years but we prepare ourselves as if there will be war tomorrow“ oder “Long live the armed Brotherhood and unity of our nations”. Die verheißungsvollen Versprechungen Titos hatten sich allerdings durch den Zusammenbruch Jugoslawiens und des darauffolgenden Krieges ad absurdum geführt. Die Anwesenheit von Flüchtlingsfrauen bei der Performance macht das offensichtlich. In der Sammlung Essl befinden sich drei dieser bestickten und ausgewaschenen Leinentücher sowie das Video, welches die gesamte Performance dokumentiert. In Goldrahmen werden die Ergebnisse gezeigt, all das Wegrumpeln hat nichts genützt, die Worte Titos sind wie eingebrannt und immer noch lesbar. Ein eindringliches Bild für die Nachhaltigkeit von Dogmen.

Maja Bajević, die längere Zeit im Exil lebte, setzt sich mit den Problemen der Vertreibung und des Verlustes von Heimat auseinander, mit dem Widerspruch von Propaganda und Realität und nicht zuletzt mit der Rolle von Frauen in der Gesellschaft.

Elisabeth Pokorny-Waitzer

1) Maja Bajević, in: Angela Vettese (Ed.), Maja Bajević, AK Fondazione Bevilacqua La Masa, Venezia; Mailand: Edizioni Charta, 2008, S. 50.



AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
2012 SPOTLIGHTS. VIDEOKUNST
2007 PASSION FOR ART. 35 Jahre Sammlung Essl
2003 BLUT & HONIG – ZUKUNFT IST AM BALKAN


Weiterführende Literatur zu dieser Künstlerin finden Sie in der Bibliothek >> des Essl Museums.
updated: 02.06.2012