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CHRISTIAN LUDWIG ATTERSEE

1940 geboren in Pressburg (mit dem Namen Christian Ludwig)
Lebt und arbeitet in St. Martin an der Raab im Burgenland, am Semmering, Wien und Mallorca

Christian Ludwig Attersee Christian Ludwig Attersee
Christian Ludwig Attersee vor seinem Gemälde
„Hundebüstenhalter“ (1966) im Essl Museum, 2007
Foto: Markus Thums
Wasserhacke, 1985
Acryl und Lack auf Leinwand
150 x 100 cm
© VBK, Wien, 2011
Foto: Photoatelier Laut, Wien

Persönliche Daten

1957 Studium der Bühnenarchitektur an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien
1959 – 63 Studium der Malerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien
1990 a.o. Professor an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien (Meisterklasse für experimentelles Gestalten)
1990 Leiter der Malklassen an der Salzburger Sommerakademie
1992 – 2009 Professor für die Meisterklasse Malerei, Animationsfilm und Tapisserie
1997 Großer Österreichischer Staatspreis für Kunst
1999 Leiter der Malklassen an der Salzburger Sommerakademie
2004 Lovis Corinth-Preis
2005 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse


Zum Werk

„Attersee ist ein assoziationsreicher Poet, ein Gratwanderer zwischen Phantasie und Wirklichkeit, der in seinen letztlich durchaus kritischen, kollektiv verbindlichen Zeichnungen und Bildern an Zustände und Symptome rührt, mit denen wir tagtäglich zu tun haben.“1

Christian Ludwig Attersees künstlerisches Schaffen beginnt bereits 1951 mit dem Schreiben von Romanen und Liedern sowie dem Entwerfen von Bühnenbildern. Attersee ist einer der ausgeprägtesten Künstlerindividualisten und gleichzeitig einer der vielfältigsten Künstler Österreichs. Neben seiner Funktion als Maler tritt er auch immer wieder als Musiker in Erscheinung, produziert Filme und entwirft Bühnenbilder.
In den letzten zwanzig Jahren hat die Malerei eine zentrale Stellung in Attersees künstlerischem Leben eingenommen. Seine Eigenart und Stärke liegt in der einfallsreichen Kombination von Formen und Worten. In den 1960er Jahren malt Attersee plakative, knallig farbige, eher zeichnerische Bilder, die Dinge aus der Alltagswelt, aber auch aus der Science Fiction enthalten. Attersee selbst sieht sich als eigenständiger Mitbestimmer der europäischen Pop Art.

Attersee
Großes Suppenschöpferbild, 1968
Acryl und Lack auf Leinwand
105 x 105 cm
© VBK, Wien, 2011
Foto: Photoatelier Laut, Wien

In den Frühwerken wird der blinde Konsumwahn nach amerikanischem Vorbild ironisch verarbeitet und hinterfragt. Mit den stilistischen Mitteln der Pop Art und verstörenden, surrealen Motiven verarbeitet Attersee die Werbewelt der Ernährungsindustrie indem er schrille „Speisekugeln“ und „Speisewürfel“ erfindet oder giftgrüne Flüssigkeiten aus einer Suppenkelle in den Teller fließen lässt. In seinem „Großen Suppenschöpferbild“ von 1968 wird von einem eigenartigen Besteck - der Suppenlöffel trägt ein Abbild des jugendlichen Attersee - eine schier ungenießbare Suppe mit künstlicher Einlage angepriesen.

In den 1970er Jahren werden die Werke dynamischer und manchmal dekorativ. Vor allem in den 80er Jahren beginnen die Farben des Bildes auf den Rahmen überzufließen und beziehen ihn so in die Bildgestaltung mit ein. Ab den 1990er Jahren wird sein Stil malerisch und expressiver und die Formate größer. Er gestaltet zuerst rein abstrakt den Hintergrund und schreibt danach die Gegenstände ein. Ab dem Jahr 2000 wird die Bildkomposition bunter, meist überwiegt eine Farbe. Attersee arbeitet mit Wortneuschöpfungen, neuen Sprachbegriffen, die seine Bilder erläutern. Seine Hauptthemen sind Schönheit, Erotik und Sinnlichkeit. Malen an sich ist für Attersee ein sinnlicher Akt. Leuchtende Farben, ein dynamischer Pinselstrich und figurative, oft symbolhafte Darstellungen kennzeichnen seine Arbeiten. Hintergründige Assoziationen und phantasiereiche, narrative Aspekte fließen in seine Gemälde ein.

Attersee Attersee
Brautschatten, 1992/93
Öl auf Leinwand
265 x 190 cm
© VBK, Wien, 2011
Foto: Archiv Sammlung Essl
Taumütter, 1995
Acryl und Lack auf Leinwand
150 x 150 cm
© VBK, Wien, 2011
Foto: Mischa Nawrata, Wien

In seinen bühnenhaft inszenierten Bilderrätseln verschmelzen Gegenstände miteinander und führen somit ihre ursprüngliche Funktion ad absurdum. Immer wieder verwendete Motive, wie der Fisch, Gläser oder Äste bewegen sich in einem nicht greifbaren Bildraum. Der blaue Fisch im Bild „Brautschatten“ (1992/93) springt aus dem Wasser, welches durch einen deutlichen Horizont vom übrigen, unruhigen Hintergrund abgegrenzt wurde. An seiner Schwanzflosse hängt an einem spitzen Metallhaken ein Kuvert. Völlig realitätsfern wird der Eindruck erweckt, als hätte sich der Fisch gerade eben einen Brief aus dem Wasser geangelt. Seltsamerweise wachsen Äste und andere spitze Gegenstände aus dem Fischkörper, die widersprüchlich und schwer deutbar sind.

Im Bild „Taumütter“ (1995) werden silberne Fische von wild bewegten Wellen hin- und hergerissen. Das Briefkuvert, ein Lieblingsmotiv Attersees, verschmilzt mit den Fischen und symbolisiert das Geheimnisvolle und Unbekannte. Über der See wölbt sich ein mit dunklen Gewitterwolken verhangener Himmel. Die farbigen Akzente in rot, grün und blau und ihre dynamische Setzung mit dem Pinsel weisen Wasser und Himmel an die Grenze zur Abstraktion.

1) Katalin Reviczky, in: Attersee. Zärtenspiel. Malerei der 90er Jahre, AK Museum der Bildenden Künste, Budapest, 1999, S. 15.

Elisabeth Pokorny-Waitzer



AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
2013 EINE KLEINE MACHTMUSIK
2011 FESTIVAL DER TIERE. Eine Ausstellung für Kinder. Erwachsene willkommen!
2010 SCHÖNES KLOSTERNEUBURG. Albert Oehlen hängt Bilder der Sammlung Essl
2010 ASPEKTE DES SAMMELNS
2008 MEISTERWERKE DER SAMMLUNG ESSL
2008 KOMPLEX. Österreichische Gegenwartskunst aus der Sammlung Essl, Museum am Ostwall, Dortmund
2007 A TRIBUTE - 35 YEARS OF THE ESSL COLLECTION, Schömer-Haus
2007 PASSION FOR ART. 35 Jahre Sammlung Essl
2006 ÖSTERREICH: 1900 – 2000. Konfrontationen und Kontinuitäten
2003 DIE FIGUR IN DER MALEREI. Österreichische Malerei zwischen 1960-1990. Hans Fronius zu Ehren, Schömer-Haus
2003 PERMANENT 04
2001 FALLOBST. Witz Ironie Kunst
2000 PERMANENT 01
1999 the first view
1998 Umbruch. Werke der 60er Jahre aus der Sammlung Essl, Schömer-Haus
1997 Utopie und Weltschmerz. Arbeiten auf Papier, Schömer-Haus
1996 Realismus als Methode, Schömer-Haus
1996 Malerei in Österreich 1945-1995. Die Sammlung Essl im Künstlerhaus Wien; weitere Station: Mücsarnok Kunsthalle, Budapest


Weblink

www.attersee-christian-ludwig.at >>


Weiterführende Literatur zu diesem Künstler finden Sie in der Bibliothek >> des Essl Museums.
updated: 26.04.2013