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SIEGFRIED ANZINGER

1953 geboren in Weyer, Oberösterreich
Lebt und arbeitet in Wien und Köln

SIEGFRIED ANZINGER SIEGFRIED ANZINGER
Siegfried Anzinger, 2003 Madonna, blau, rot, blond, 2002
Leimfarbe auf Leinwand
75 x 60 cm
Foto: Franz Schachinger, Wienn


Persönliche Daten

1971-77 Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien
1986 Oskar Kokoschka Preis
1990 Preis der Stadt Wien für Malerei
1997 Professur für Malerei an der Kunstakademie in Düsseldorf
2004 Großer Österreichischer Staatspreis für Bildende Kunst
2006 Landeskulturpreis für bildende Kunst, Oberösterreich



Zum Werk

"Gewöhnlich arbeite ich hauptsächlich nachts. Nachts fällt das Licht nur auf die Leinwand. Alle anderen Objekte liegen im Schatten, und so kann ich nicht leicht abgelenkt werden. Außerdem fühle ich mich manchmal nachts wirklich wie ein Künstler, es ist ruhig, ich höre nur den Pinsel. Manchmal bekomme ich nachts das Gefühl, ein wirklich großer Maler zu sein, während im grellen Tageslicht alles sehr viel normaler ist. Nachts wachsen Phantasie und Gefühl enorm an, tags sind sie konzentrierter, nüchterner; der Tag ist realistischer. Mein Rezept für ein gutes Bild ist nachts anfangen und bei Tag es zu vollenden." 1


Die Werke des Malers Siegfried Anzinger sind von der Schnelligkeit der Ausführung, von Spontaneität und spielerischer Leichtigkeit bestimmt. In besonderem Maße ist für Anzinger das „non-finito“ wichtig. Durch mehrfache Übermalungen entstehen bis zu zwanzig Farbschichten. Während Anzingers Malweise anfangs stark gestisch und expressiv war, nimmt er sich in jüngeren Arbeiten eher zurück. Er arbeitet bewusst in Serien und malt parallel an drei bis vier Bildern.

SIEGFRIED ANZINGER   SIEGFRIED ANZINGER  
Die rote Säule, 1988
Öl auf Leinwand
150 x 100 cm
Foto: Lothar Schnepf, Köln
  ML-Löwen (sumpfgrün), 1996
Leimfarbe auf Leinwand
230 x 190 cm
Foto: Lothar Schnepf, Köln
 



Das abstrakte Ölgemälde „Die rote Säule“ (1988) ist repräsentativ für die Phase der Neuen Wilden Malerei aus den 80er Jahren. Die Säule teilt als durchlaufendes Band die farbigen Felder in zwei Hälften. Blaue Töne, rot, weiss und grau sind hier harmonisch zueinander abgestimmt. Im Bild „ML-Löwen (sumpfgrün)“ aus dem Jahr 1996 leuchten vor grünem Grund, ineinander verwebt, die Farben weiß, grasgrün, schwarz, ocker und umbra auf. Der Künstler will hier „die Figur der Figuration entreißen und gleichzeitig das malerische Diagramm aus der Selbstverliebtheit der Abstraktion befreien.“2

Seit vielen Jahren malt Anzinger hauptsächlich mit Leimfarbe. Eine dünne, transparente Farbe, die allerdings nicht korrigierbar ist, die Komposition muss in einem Vorgang gelingen. Wenn Anzinger nicht zufrieden ist, wird die Leimfarbe wieder ganz abgenommen und neu begonnen. Dies führt zu Bildern von großer Leichtigkeit und kompositorischer Sicherheit.


SIEGFRIED ANZINGER   SIEGFRIED ANZINGER  
Hellblauer Wagen, 1996
Leimfarbe auf Leinwand
100 x 160 cm
Foto: Lothar Schnepf, Köln
  Erschaffung einer Ente, 2001
Leimfarbe auf Leinwand
80 x 88 cm
Foto: Lothar Schnepf, Köln
 



Himmel, Felder und Hügel sind im Bild „Hellblauer Wagen“ (1996) in satten Grün- und Brauntönen als reine Farbflächen wiedergegeben. Mit breitem Pinselstrich hat sie der Künstler über die Leinwand gewischt. Der blaue Wagen befindet sich inmitten des Gemäldes und wird als Quader und mit angedeuteten Rädern in seiner Gestalt umrissen. Seit etwa 2000 beschäftigt sich Anzinger mit vier Bildthemen: Tieren, Madonnen, Schöpfungsgeschichten und erotischen Darstellungen. In jüngster Zeit sind es oft Linienreste oder Farbreize, aus denen der Künstler Formen entstehen lässt oder sich neue Figurationen ergeben.
Seine Motive haben oft parodistische Züge. Im mit Leimfarbe auf Leinwand gemalten Bild „Erschaffung einer Ente“ (2001) hat Anzinger Gott als alten, kahlen und nackten Mann dargestellt, der in einer Badewanne liegt. Die Wanne ist leer, das Wasser befindet sich außerhalb. Darin schwimmt die Ente, die Gott soeben geschaffen hat. Der ausgestreckte Finger verweist auf den Schöpfungsmythos und nimmt Anleihe an Michelangelos „Erschaffung Adams“ in der Sixtina. Das Motiv der Badewanne ist für Anzinger von besonderer Bedeutung. Wenn ihm ein Bild missfällt, spült er die Leimfarbe in der Badewanne wieder ab. Der Ritus der Reinigung führt zur Erschaffung eines neuen Bildes.

In seinem Werk „Madonna, blau, rot, blond“ (2002) gibt er die Madonna in blauem Kleid, rotem Mantel und mit blonder Kurzhaarfrisur wieder. In klassischer Dreieckskomposition angelegt und mit den Farben des Irdischen und Himmlischen versehen, gewinnt das Bild durch eine lange Schräge an Dynamik. Auf der abstrakt gemalten Fläche rechts wiederholt sich die Farbe des Inkarnats der Figuren. Für Anzinger ist die malerische Umsetzung wichtiger, als das Motiv selbst. Hier wird die Figuration in extremer Weise reduziert und als reine Malerei vorgeführt.

Elisabeth Pokorny-Waitzer

1)Siegfried Anzinger, in: Siegfried Anzinger. Malerei und Terrakotten, AK Galerie Welz, Salzburg 2007, o. S. (S. 5).
2) Wilfried Dickhoff wird zitiert, in: Siegfried Anzinger, AK Museum Moderner Kunst, Wien 1998, S. 72.)




AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum

2011 FESTIVAL DER TIERE. Eine Ausstellung für Kinder. Erwachsene willkommen!
2010 CORSO. Werke der Sammlung Essl im Dialog
2008 MEISTERWERKE DER SAMMLUNG ESSL
2009 KOMPLEX. Österreichische Gegenwartskunst aus der Sammlung Essl in Klosterneuburg / Wien; Museum am Ostwall, Dortmund
2007 PASSION FOR ART. 35 Jahre Sammlung Essl
2006 PERMANENT 06
2006 ÖSTERREICH: 1900 – 2000. Konfrontationen und Kontinuitäten
2005 COLECCIÓN ESSL. Arte contemporáneo austriaco y pintura de la Posguerra, Mexico City; Monterrey / Zeitgenössische österreichische Kunst und Malerei der Nachkriegszeit aus der Sammlung Essl, Museo de Arte Moderno de México, Mexico City, weitere Station: Museo de Arte Contemporáneo de Monterrey
2004 NEUE WILDE - Eine Entwicklung
2003 DIE FIGUR IN DER MALEREI. Österreichische Malerei zwischen 1960-1990. Hans Fronius zu Ehren
2002 ANZINGER / LEBSCHIK
2001 REISEN INS ICH - KÜNSTLER/SELBST/BILD
2001 DIE ÖSTERREICHISCHE MODERNE NACH 1945 IN DER SAMMLUNG ESSL, Kunsthalle Erfurt
2000 WORKS IN SPACE
2000 PERMANENT 01
1999 THE FIRST VIEW
1997 UTOPIE UND WELTSCHMERZ. Arbeiten auf Papier
1996 MALEREI IN ÖSTERREICH 1945-1995. Die Sammlung Essl im Künstlerhaus Wien; weitere Station: Mücsarnok Kunsthalle, Budapest
1991 DAS JAHRZEHNT DER MALEREI. Österreich 1980 bis 1990. Sammlung Essl, Kunstforum Wien; 1992-1996 weitere Stationen in Europa, Indien und den USA



Weiterführende Literatur zu diesem Künstler finden Sie in der Bibliothek >> des Essl Museums.
updated: 03.03.2011