Noch bis 24.07.2011 widmet das Essl Museum dem großen
österreichischen Künstler Franz West eine Sonderpräsentation.
Im gartenseitigen Foyer und im Innenhof sind Werke Wests aus der
Sammlung Essl zu sehen und laden auch zur Benutzung ein.
Auf dem
Vorplatz des Essl Museums wurde die imposante Skulptur „Sexualitätssymbol“
installiert. Der Künstler erhielt 2011 auf der Biennale di
Venezia den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk.
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Sitzskulptur, 2004
Aluminium lackiert
87 x 175 x 163 cm
© Franz West
Foto: Archiv des Künstlers
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Pouf (Sitzbank),
2002
Eisenrohr, Schaumstoff, Stoffüberzug (blau)
97 x 223 x 140 cm
© Franz West
Foto: Mischa Nawrata, Wien
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Zu sehen sind zwei Sitzobjekte (Sitzskulptur aus Aluminium und
eine Sitzbank “Pouf“), eine Rauminstallation mit
Passstück „Konversation (mit Michelangelo Pistoletto)“
und eine Gemeinschaftsarbeit von Franz West und Heimo Zobernig
mit dem Titel „Kleiner Essl“. Die Besucher sind
eingeladen, auf den Sitzmöbeln Platz zu nehmen und die
auf dem Tisch „Kleiner Essl“ aufliegende Literatur
zu Franz West zu benutzen.
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Ausstellungsansicht
>WEST LOUNGE<
Essl Museum
Foto: Regina Holler-Strobl, Wien
© Franz West |
FRANZ WEST
Sexualitätssymbol, 1999
Aluminium lackiert, Sammlung Essl Privatstiftung
Credit: Archiv Sammlung Essl
Foto: Peter Lenz
>> weitere Objektinformation
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Franz West hat mit seinen Skulpturen die Grenzen zwischen
Alltag und Kunst, zwischen Objekt und Betrachter aufgeweicht.
Er verwendet für seine Objekte, die oft benutzbar sind,
Materialien aus dem nichtkünstlerischen Bereich, wie Schaumstoff,
Pappmachée, Gips und roh zusammengeschweißte Metalle;
dabei legt er bei der Verarbeitung keinen Wert auf handwerkliche
Präzision. Die Skulpturen und Objekte von Franz West regen
die Betrachter dazu an, die Grenzen der Kunst auszuloten und
in Frage zu stellen.
Objektinformation
Franz West: Sexualitätssymbol, 1999
Aluminium lackiert, Sammlung Essl Privatstiftung
Der österreichische Künstler Franz West entwickelt
seit den 70er Jahren mit seinen Objekten und Skulpturen eine
sehr spezifische Position. Traditionelle formale Regeln werden
angezweifelt und ein Kunstbegriff formuliert, der die strikte
Trennung von Kunst-Objekt und Benutzbarkeit aufhebt. So wurden
die Passstücke erst durch die Verbindung mit einer Aktion,
die Möbel-Objekte (Liegen) der 80erJahre erst durch das
Aufliegen eines Besuchers zum Kunstwerk. Gleichzeitig entstanden
Skulpturen, die amorphe Formen zeigen, West vergleicht es mit
einem Lehmbatz, einer freien Form, die nicht reglementiert ist,
nicht idealtypisch pur und geometrisch. Gips, Papiermaché
und Polyester sind in dieser Zeit bevorzugte Materialien für
West, sie ermöglichen eine offene Arbeitsweise.
In den 90er Jahren bekam Franz West den Auftrag, eine Skulptur
für den Außenraum zu schaffen. Bei der Frage des
Materials entschied er sich für Aluminium, das ihm eine
ähnlich offene Arbeitsweise erlaubt. Die einzelnen Stücke
werden gebogen und dann zusammengeschweißt. Das entstandene
Objekt zeigt die Nahtstellen deutlich und entspricht so Wests
Abneigung gegen einen allzu glatten Perfektionismus. Die in
den folgenden Jahren entstandenen Skulpturen für Außenräume
zeigen alle eine monochrome Farblackierung. Dabei treten hauptsächlich
drei Farben auf, die er schon bei sehr frühen Materialbildern
verwendet hatte und die aus seiner damaligen Seherfahrung resultierten:
“Amts- oder Linsengrün“(bevorzugt in Schulen
und Amtsstuben), “Kotbraun“ (beliebt als Fenster-
und Türanstrich in Kleinbürgerwohnungen) und, wie
bei der Skulptur der Sammlung Essl, Rosa, beziehungsweise fleischfarben.
Diese Farbe erinnert nicht nur an die menschliche Haut und Damenunterwäsche,
sondern auch an Zahnprothesen und hat damit wohl auch einen
biographischen Bezug zu West, dessen Mutter Zahnärztin
war.
Das grelle Rosa steht bewußt in starkem Kontrast zu den
Farben der Natur. West geht davon aus, dass man weder die Formen,
noch die Farben der Natur übertreffen könne, deswegen
sollte man sie auch nicht imitieren.
Die Skulptur der Sammlung Essl besteht aus zwei Teilen, einem
Ring und einer länglichen Form. Diese entwickelt er aus
den seit den 90er Jahren entstandenen sogenannten “Wusten“
und “Quilzen“, länglichen, am Boden liegenden
Leibformen, auf denen man sitzen kann. In dieser Skulptur wird
die Benutzbarkeit durch die Kombination mit dem Ring aufgehoben.
Andreas Hoffer
Quellen:
Eva Badura-Triska: Wuste, Quilze oder Qwertze in der Natur,
in: Franz West Die Aluskulptur, Innsbruck, Köln 2000
Katharina Blaas-Pratscher (Hrsg): Veröffentlichte Kunst
– Kunst im öffentlichen Raum, Band 4, Wien 1998