MARTIN SCHNUR: Vorspiegelung
01.02. – 09.06.2013, Großer Saal und Rotunde
Kurator: Günther Oberhollenzer
Das Essl Museum widmet dem österreichischen Künstler Martin Schnur eine Personale mit dem doppeldeutigen Titel „Vorspiegelung“. Die Ausstellung wirft einen Blick auf das reichhaltige Schaffen der letzten Jahre, in denen Schnur sein raffiniertes Spiel mit Spiegelungen, Reflexionen und miteinander verschränkten Realitätsebenen immer weiter vorangetrieben hat. Schnurs malerisches Werk überschreitet dabei die
Grenzen zur Bildhauerei, er experimentiert mit Materialien und bedient sich längst vergessener Techniken.
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Man muss hinschauen, ob noch was nachkommt, 2012
Öl auf Leinwand
250 x 200 cm
Foto: Daniela Beranek
© Martin Schnur
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Grenzgänger zwischen den künstlerischen Medien
Neben den großformatigen Ölbildern werden erstmals neue, überraschende Objektarbeiten zu sehen sein, in denen der Künstler Malerei und Skulptur, Fläche und Raum spielerisch zueinander in Beziehung setzt. Der 1964 geborene Schnur greift damit auf seine Bildhauereiausbildung – er studierte bei Joannis Avramidis – zurück und setzt gleichzeitig konsequent den Weg fort, mit dem gemalten Bild in den Raum zu gehen. Für seine kleinformatigen Malereien verwendet Schnur anstelle von Leinwand häufig eine dünne Kupferplatte als Bildgrund. Diese in der zeitgenössischen Kunst selten verwendete Technik kommt aus der Barockzeit und fasziniert ob ihrer Oberflächengestaltung und
Haptik; das rötliche Metall schimmert immer wieder leicht durch, was eine seltene Schönheit erzeugt. In der Ausstellung gibt es auch eine Reihe kleinformatiger Pastellzeichnungen zu sehen, die sich dem Landschaftsthema widmen. Diese feinen Blätter zeigen, welch besonderes Gespür Schnur für Farbe und Form hat: Der Gegenstand löst sich immer mehr auf, die Natur wird zur reinen, fast abstrakten Farbkomposition.
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Vorspiegelung #3, 2011
Öl auf Leinwand
190 x 235 cm
Foto: Daniela Beranek
© Martin Schnur
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Virtuoses Spiel mit Realitätsebenen: Naturlandschaft und Innenraum
Verschiedene Realitätsebenen, vielschichtig zu einem Ganzen zusammengesetzt, sind ein kennzeichnendes Merkmal vieler Malereien. In eine Naturlandschaft wird eine zweite, klar begrenzte Malebene eingeschoben, in einem Interieur mit Menschen öffnet sich ein Bild in den Außenraum. Indem Landschaft und Mensch fast nie auf derselben Bildebene existieren und auch inhaltlich kaum in Beziehung stehen, bricht der Künstler mit der Erwartung einer romantischen Naturdarstellung. Seine Landschaften bieten auch keine weiten Panoramen und Perspektiven, sie sind ausschnitthaft und fragmentarisch, dicht am Holz, am Wasser, an den Gräsern. Der Künstler erfreut sich an der unerschöpflichen Formen- und Farbenvielfalt der Natur, geeignete Kulisse für sein virtuoses Spiel mit Licht und Schatten, mit Spiegelungen und Schattierungen.
In seinen Bildern setzt Schnur junge Menschen, in legerer Kleidung oder auch nackt, in den Vordergrund. Sie wirken ohne erzählerischen Kontext isoliert und fragil. In sich gekehrt und still treten sie nicht mit dem Betrachter in Kontakt, meist von ihm abgewandt bleibt eine Kommunikation verwehrt.
Der menschliche Körper und Naturlandschaft dienen dem Künstler als Versuchsfeld für eine Malerei, die mit Licht und Schatten, Fläche und Raum poetisch wie sinnlich eine neue Wirklichkeit erschaffen kann. Mensch und Natur sind auf die Malerei bezogen, sanft eingebettet leben sie in ihr, anstatt sich an den Rezipienten zu wenden oder einen klar fassbaren Inhalt zu vermitteln. Die Überblendung der Räume und Atmosphären, die Ambivalenz von geometrisch eingegrenzten Feldern und Tiefenwirkungen verleihen den Kompositionen, Vexierbildern gleich, eine zusätzliche Intensität.
Licht, Schatten und Spiegelungen
Verbindendes Element der verschiedenen Realitätsebenen sind Lichtstimmungen und Spiegelungen – ein häufig wiederkehrendes Motiv ist der zerbrochene Spiegel. Faszinierend und bedrohlich zugleich setzt ihn Schnur gekonnt ins Bild: Mensch und Landschaft reflektieren sich auf am Boden liegenden Spiegelflächen, Protagonisten
hantieren ziemlich gefährlich mit Scherbenstücken. ähnlich verhält es sich mit dem Licht. Der in den Innenraum eintretende Schein eines Lichtstrahls setzt sich im daneben liegenden Naturaußenraum fort. Das Licht wird zum Protagonisten der Malerei.
Mit rund 25 Arbeiten umfasst die Einzelausstellung neben Leinwand- und Kupfermalereien die neue Objektserie Display und kleinformatige Pastellzeichnungen. Die Werkauswahl wurde zusammen mit dem Künstler festgelegt. Neben zahlreichen Sammlungswerken und Leihgaben werden neue Arbeiten direkt aus dem Atelier zu sehen sein.
Website des Künstlers:
www.martinschnur.com >>
>MARTIN SCHNUR LIEBT LITERATUR<
Neue Literatur im Essl Museum
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Foto: Cédrickaub
© Essl Museum
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Der Künstler Martin Schnur liebt Bücher. Deshalb laden Martin Schnur und das Essl Museum vier der derzeit interessantesten österreichischen Autorinnen und Autoren ein, ihr jeweils neuestes Werk in der Schnur-Personale >VORSPIEGELUNG< zu präsentieren. Nach jeder Lesung gibt’s eine Plauderviertelstunde mit Martin Schnur und dem Autor des Abends.
>MARTIN SCHNUR LIEBT LITERATUR< findet an vier Mittwochabenden um jeweils 19 Uhr im Essl Museum statt, der Eintritt ist frei. Es lesen und plaudern mit Martin Schnur die Autorinnen und Autoren Josef Kleindienst, Dieter Sperl, Magda Woitzuck und Isabella Feimer.
„Ich bin ein Büchernarr“, sagt Martin Schnur. In seinem Atelier stapeln sich neben den oft großformatigen Werken auch Berge von Büchern aller Art. In seiner Personale im Essl Museum präsentiert Schnur ein betörendes Werk von Malereien: Menschen und Landschaften in einem Labyrinth von Spiegelungen und Ebenen, Räume, in denen man sich verlieren kann wie in einem dicken Buch.
„Ich bin neugierig, was passiert, wenn die Ausstellung zur Reflexionsebene für neue Literatur wird“, so Schnur, „wir werden nach jeder Lesung darüber diskutieren, wie es den Autoren und auch mir dabei gegangen ist.“
Das Literaturprogramm >MARTIN SCHNUR LIEBT LITERATUR< entstand in Zusammenarbeit mit dem Land Niederösterreich.
>MARTIN SCHNUR LIEBT LITERATUR< DIE ABENDE
27. Februar 2013, 19 Uhr
Autor des Abends: Josef Kleindienst
Josef Kleindienst liest aus seiner aktuell erschienenen Erzählung Freifahrt (Sonderzahl, 2013). Danach gibt es eine Plauderviertelstunde mit dem Autor und dem Künstler Martin Schnur.
06. März 2013, 19 Uhr
Autor des Abends: Dieter Sperl
Dieter Sperl liest aus seinem zuletzt erschienenen Gedanken- und Traumjournal Von hier aus: Diary Samples (Ritter Verlag, 2012), aber auch einige seiner Kürzestgeschichten, die Martin Schnurs Thema der Verspiegelung literarisch aufgreifen. Von hier aus wurde 2013 mit der Buchprämie des bm:ukk ausgezeichnet.
Danach gibt es eine Plauderviertelstunde mit dem Autor und dem Künstler Martin Schnur.
Achtung! Ab 20 Uhr Konzert: The Evil Dances in the Empty Pocket (Franz Hautzinger: Vierteltontrompete, Johannes Kretz: Digital-Elektronik, Marko Ciciliani: Analog-Elektronik, Licht).
13. März 2013, 19 Uhr
Autorin des Abends: Magda Woitzuck
Magda Woitzuck liest aus ihrem Erzählband Ellis (Literaturedition Niederösterreich, 2012). Danach gibt es eine Plauderviertelstunde mit der Autorin und dem Künstler Martin Schnur.
20. März 2013, 19 Uhr
Autorin des Abends: Isabella Feimer
Isabella Feimer liest aus ihrem aktuell erschienenen Roman Der afghanische Koch (Septime, 2013). Danach gibt es eine Plauderviertelstunde mit der Autorin und dem Künstler Martin Schnur.
>MARTIN SCHNUR LIEBT LITERATUR< DIE BÜCHER
Josef Kleindienst: Freifahrt. Erzählung, Sonderzahl, 2013
Dieter Sperl: Von hier aus: Diary Samples, Ritter Verlag, 2012
Magda Woitzuck: Ellis. Erzählungen, Literaturedition Niederösterreich, 2012
Isabella Feimer: Der afghanische Koch, Septime, 2013
>MARTIN SCHNUR LIEBT LITERATUR< DIE AUTORINNEN UND AUTOREN
Josef Kleindienst wurde 1972 in Spittal an der Drau geboren. Er lebt als freier Schriftsteller in Wien. Studium der Philosophie und Theaterwissenschaften in Wien und Amsterdam. Arbeitete als Deutschlektor im Jemen, als Chauffeur, Journalist und hin und wieder als Schauspieler. Zuletzt in Soldate Jeannette (Sundance Filmfestival 2013). 2010 wurde er zum Ingeborg Bachmann Preis eingeladen. Im selben Jahr erschien sein Roman An dem Tag, als ich meine Friseuse küsste, sind viele Vögel gestorben. 2011 erhielt er das Wiener Dramatikerstipendium, 2012 den Förderungspreis für Literatur des Landes Kärnten.
Dieter Sperl, geboren 1966 in Wolfsberg. Studium der Germanistik und Philosophie an der Karl-Franzens-Universität Graz. Herausgebertätigkeit, Hörspiele, Textinstallationen, Fotoarbeiten und Workshops. Writer in Residence an der Bowling Green State University in Ohio (2009 und 2010). Lebt in Wien.
Magda Woitzuck, geboren 1983 in Wien, Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, seit 1997 schriftstellerisch tätig. Zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. Magda Woitzuck schreibt Prosa, Hörspiele und Theaterstücke. Für das Hörspiel Doggod , produziert vom ORF, wurde sie 2010 mit dem Kritikerpreis für das künstlerisch anspruchsvollste Hörspiel des Jahres ausgezeichnet. Weitere Auszeichnungen: Award 4 You (2001,2002, 2004, 2006), Hans Weigel – Literaturstipendium des Landes Niederösterreich 2008/09, Prix Europa Special Commendation 2010. Die Autorin lebt in Neulengbach.
Isabella Feimer, geboren 1976, lebt in Wien. Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien und Engagements als freie Theater-Regisseurin in Wien und Niederösterreich. Der Teilnahme an der Leondinger Akademie für Literatur folgten erste Veröffentlichungen von Kurzgeschichten. Nominiert für die 36. Tage der deutschsprachigen Literatur (den Ingeborg-Bachmann-Preis). Noch im selben Jahr belegt sie den 2. Platz im Literaturwettbewerb der Akademie Graz mit einem Auszug aus ihrem Debutroman Der afghanische Koch. Derzeit Arbeit an Theaterproduktionen und Prosatexten.
Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen, einem Vorwort von Prof. Karlheinz Essl und Texten von Sonja Gruber, Hans Holländer und Günther Oberhollenzer. BOOKSHOP >>
Kunstvermittlung
Das Kunstvermittlungsteam bietet Führungen und Workshops zur Ausstellung an. Weitere Angebote zur Ausstellung finden Sie auch unter: KUNSTVERMITTLUNG >>
Kostenloser Shuttlebus
Besucherinnen und Besucher können das kostenlose Shuttlebus-Service vom Zentrum in Wien, Albertinaplatz 1 in Anspruch nehmen. Dienstag - Sonntag 10, 12, 14, 16 Uhr und retour vom Essl Museum um 11, 13, 15, 18 Uhr.
Pressebilder
Presse-Bilder sind auf Anfrage im Pressebüro oder unter PRESSE >> erhältlich.
Presseanfragen
Erwin Uhrmann (Leitung), uhrmann@essl.museum, +43 (0) 2243/370 50 60
Regina Holler-Strobl, holler-strobl@essl.museum, +43 (0) 2243/370 50 62
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updated: 23.05.2013
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