ROSA LOY UND NEO RAUCH
>HINTER DEN GÄRTEN<
02.09. – 16.11.2011, Ausstellungshalle
Kuratoren: Rosa Loy und Neo Rauch in Zusammenarbeit mit Günther Oberhollenzer
Erstmals zeigen die weltweit anerkannten Leipziger Künstler
Rosa Loy und Neo Rauch, seit 1985 verheiratet, ihre Werke gemeinsam
in einer großen, etwa 80 Arbeiten umfassenden, Ausstellung.
Die bedeutenden Werke der Künstler in der Sammlung Essl,
die den Grundstein der Schau bilden, werden durch Leihgaben und
neue, noch nie gezeigte Werke direkt aus den Ateliers sowie eigens
für die Ausstellung angefertigte Zeichnungen beider Künstler
ergänzt. Für den Katalog führte Kurator Günther
Oberhollenzer ein ausführliches Interview mit Loy und Rauch.
Mit der gemeinsamen Ausstellung erfüllen sich die Künstler,
so Neo Rauch, einen „lang gehegten Wunsch“ für
den es bisher „an einem geeigneten Ort und an einer glücklichen
kalendarischen Fügung“ fehlte. Für Agnes und Karlheinz
Essl, die Loy und Rauch seit vielen Jahren schätzen, ist
es „ eine besondere Herausforderung, das Künstlerpaar
in einer gemeinsamen Ausstellung zu zeigen, geht es doch darum,
der individuellen Ausdruckskraft zweier so starker Künstlerpersönlichkeiten
gerecht zu werden, um die Unterschiede, aber durchaus auch Gemeinsamkeiten
deutlich werden zu lassen.“
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ROSA LOY
Rote Narzisse, 2006
Kasein auf Leinen / casein on linen
170 x 130 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© VBK, Wien, 2011 bzw. VG Bildkunst, Bonn, 2011
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NEO RAUCH
Bergfest, 2010
Öl auf Leinwand / oil on canvas
300 x 250 cm
Foto: Uwe Walter, Berlin; courtesy Galerie EIGEN+ART Leipzig/Berlin und Davis Zwirner, New York
© VBK, Wien, 2011 bzw. VG Bildkunst, Bonn, 2011
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EINBLICKE IN DIE BILD- UND LEBENSWELTEN
Rosa Loy und Neo Rauch gewähren einen einmaligen Einblick
in ihre Bild- und Lebenswelten. „Alles ist auf uns, auf
unsere Beziehung und auf die Spannung in unserem gemeinsamen Leben
und in unserer Arbeit ausgerichtet“, betont Rosa Loy. In
der Ausstellung wird ein Dialog zwischen den Bildern angeregt,
der Unterschiede und Verbindungslinien offenbart. Eine besondere
Bereicherung sind die Arbeiten aus der privaten Sammlung der Künstler,
die sie sich unter anderem, so Rosa Loy, „gegenseitig geschenkt
haben. Oder füreinander angefertigt haben. Auf diese Weise
ist dann noch mal eine neue Schicht oder Ebene der Gemeinsamkeit
zu sehen.“ Jene konnte bisher nur im Haus der Künstler
erfahren werden, denn, so Rauch: „Dort koexistieren die
Bilder in trauter Eintracht und mitunter auch in fruchtbringender
Dissonanz. Sodass wir schon immer die Möglichkeit hatten,
zu spüren, was es werden könnte, wenn man diesen letzten
Endes ja sehr verschiedenen Ansätzen, die wir verfolgen,
die Möglichkeit eines etwas weiter gespannten Aufeinandertreffens
und Miteinandertanzens einräumen könnte.“
VIELSCHICHTIGE KONSTELLATIONEN HINTER DEN GÄRTEN
Den Ausstellungstitel >HINTER DEN GÄRTEN< haben Rosa
Loy und Neo Rauch selbst gewählt. Als metaphorisches Bild verweist der Titel auf die
Intention der Künstler, im Arbeitsprozess entstehende spontane
Bildeingebungen als Motivfragmente auf die Leinwand zu bannen
und zu vielschichtigen Konstellationen zu vernetzen, um auf diese
Weise Momente des Irrationalen und Rätselhaften einzufangen.
„Hinter den Gärten erstrecken sich die Gebiete des
Ungesonderten, des Ungebändigten, dort
ist der Wald, dort lauern die Ungeheuer und der Wildwuchs“,
so Neo Rauch. Der Künstler empfindet es als Herausforderung,
„das Paradiesgärtlein zu verlassen und im Unterholz
und im Morast Kontakt aufzunehmen mit den abgründigen Formationen
menschlicher Zustände und Möglichkeiten und sie für
mich handhabbar zu machen, zu domestizieren und letzten Endes
zu lieben und anzunehmen.“ Am Ende muss es so sein, dass
der Betrachter das Gefühl bekomme, „mich hat jemand
an den Abgrund herangeführt, aber er hat mich an der Hand
genommen und hat mich davon weggeleitet. Ich glaube, das kann
eine Funktion von Kunst überhaupt sein.“ Rosa Loy möchte
nicht so weit gehen: „Ich führe sie lieber um den Abgrund
herum und weit weg. Denn das Leben ist ein Abgrund. (…)
Und meine Intentionen sind eher so, dass ich versuche, diesen
Dingen die positiven Seiten abzugewinnen, um zu zeigen, wie ich
vermeiden kann, überhaupt so nahe am Abgrund entlang zu wandern.“
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| ROSA LOY
Dampf, 2006
Kasein auf Leinen / casein on linen
170 x 130 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© VBK, Wien, 2011 bzw. VG Bildkunst Bonn, 2011 |
NEO RAUCH
Rast, 1993
Öl auf Leinwand / oil on canvas
250 x 190 cm
Foto: Uwe Walter, Berlin; courtesy Galerie EIGEN + ART
Leipzig/Berlin und David Zwirner, New York
© VBK, Wien, 2011 bzw. VG Bildkunst Bonn, 2011
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BILDERRÄTSEL ALS AUSDRUCK DES NICHTVERBALISIERBAREN
Die Vielschichtigkeit der Bedeutungsebenen in der Malerei Rosa
Loys und Neo Rauchs wird durch die Kombination von fremd und
gleichzeitig vertraut erscheinenden Motiven erzeugt, deren Sinn
nie endgültig entschlüsselt werden kann. Insofern
versteht Rosa Loy ihre Bilder als „Angebot“ für
die Betrachter. Basierend auf dem je eigenen Erfahrungshorizont
und in Akzeptanz dafür, dass keine eindeutige Bildaussage
fixiert werden kann, soll jeder aus ihren Bildern „das
ziehen, was er möchte und was für ihn wichtig ist.“
Ähnliches gilt für Neo Rauch: „Es muss immer
einen Restbestand des Unentschlüsselbaren, des Nichtverbalisierbaren
geben. Also mir ist durchaus daran gelegen, eine Spur durch
den Garten hindurch in Richtung Wildnis zu legen. Wichtig ist
aber, dass sich hinter dem Gartenzaun die Spur verliert.“
So bleiben die Grundprinzipien der malerischen Gestaltung –
Farbe und Komposition – in ihrer Bedeutung stets den narrativen
Bildelementen vorgeordnet. Denn, so Neo Rauch, „die eigentlichen
Geschichten erzählen die Komposition, das Kolorit, der
Farbauftrag. (…) Das ist das, was uns die Malerei erzählt.“
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| Portrait Rosa
Loy und Neo Rauch
Foto: Barbara Klemm |
NEO RAUCH
Revo, 2010
Öl auf Leinwand / oil on canvas
300 x 500 cm
Foto: Uwe Walter, Berlin; courtesy Galerie EIGEN + ART
Leipzig/Berlin und David Zwirner, New York
© VBK, Wien, 2011 bzw. VG Bildkunst Bonn, 2011
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ROSA LOY (*1958 in Zwickau)
Rosa Loy greift in ihren Bildern auf mythologische Stoffe ebenso
wie auf persönliche Erlebnisse und Erinnerungen zurück.
Die weiblichen Figuren ihrer Bilder – häufig als
Doppelgängerinnen auftretend – sowie die oftmals
symbolisch aufgeladenen Motivfragmente lösen Assoziationen
zu unterschiedlichsten Zeiten und Räumen aus. Sie werden
auf der Bildfläche vergegenwärtigt und in einen Raum
der Gleichzeitigkeit zusammengestellt, wo sie zahlreiche Bedeutungshorizonte
eröffnen, vor allem jedoch dazu auffordern, über die
Rollenbilder der Frau in der Gegenwart und Vergangenheit nachzudenken:
„Indem ich Frauen male und mich damit beschäftige,
unterstütze ich sie, und sie können erstarken.“
NEO RAUCH (*1960 in Leipzig)
Neo Rauchs Malerei versteht sich als allegorischer Umgang mit
kollektiven Gedächtnisinhalten. Motive und Zeichen, bruchstückhaften
Spuren der Vergangenheit gleich, werden auf der Bildebene zueinander
in Beziehung gesetzt und lösen viele Assoziationen aus.
„Die Suggestivität des Bildes“, bekräftigt
Neo Rauch, „sollte so beschaffen sein, dass ich als Betrachter
bestrebt sein müsste, in meinem Déjà-vu-durchpulsten
Erinnerungskasten herumzukramen.“ Trotz der Stillstellung,
die das Medium der Malerei gewährleistet, charakterisiert
die oftmals düster-verstörend wirkenden Inszenierungen
seiner Bilder eine starke innere Bewegung und Spannung. „Der
Grundcharakter des Malens, dem wir uns verschrieben haben, besteht
darin, dass man über eine bestimmte Situation einen Bann
ausspricht oder verhängt. (…) Das heißt, ich
bringe eine Situation zur Ruhe, die unter Umständen von
ihrer Charakteristik her unangenehm oder bedrohlich sein kann.
(…) Das ist das enorme Potenzial der Malerei, dass ich
etwas Böses oder etwas Krankes malen kann, indem ich ein
hochvitales Stück Malerei produziere. Die Malerei triumphiert
über das, dem sie sich zuwendet.“
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| ROSA LOY
Pflug, 2010
Kasein auf Leinwand / casein on linen
220 x 180 cm
Courtesy Rosa Loy
Foto: Uwe Walter, Berlin; courtesy Michael Kohn Gallery,
Los Angeles
© VBK, Wien, 2011 |
NEO RAUCH
Unschuld, 2001
Öl auf Leinwand / oil on canvas
298 x 200 cm
Sammlung Deutsche Bank
Foto: Uwe Walter, Berlin; courtesy Galerie EIGEN + ART
Leipzig/Berlin und David Zwirner, New York
© VBK, Wien, 2011 bzw. VG Bildkunst Bonn, 2011
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Katalog
Zur Ausstellung erscheint im Prestel Verlag ein Katalog
mit ca. 260 Seiten: mit einem Interview von Günther Oberhollenzer
mit Rosa Loy und Neo Rauch, Katalogbeiträgen Tilo Baumgärtel
(Leipziger Künstler), Prof. Karlheinz Essl und Bernhart
Schwenk (Kurator der Pinakothek der Moderne, München). Der
Katalog entsteht in enger Zusammenarbeit mit Rosa Loy und Neo
Rauch.
RADIO Ö1 KLASSIKTREFFPUNKT - live aus dem Essl Museum
Samstag, 03.09.2011, 10.05 Uhr – 11.40 Uhr Otto Brusatti im Gespräch mit Rosa Loy und Neo Rauch.
Im Rahmen des Ö1 Klassik Treffpunkts trifft Otto Brusatti auf die Künstler Rosa Loy und Neo Rauch, deren Ausstellung >HINTER DEN GÄRTEN< am 1. September 2011 eröffnet wird. Die Sendung wird am Samstag, 03. September 2011 von 10.05 bis 11.40 Uhr live aus den Ausstellungsräumen im Essl Museum gesendet. Für interessierte Besucher ist das Essl Museum ab 09.30 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.
Kunstvermittlung
Das Team der Kunstvermittlung bietet Führungen und Workshops zur Ausstellung an, jeden Sonntag um 11.00 Uhr eine Führung durch die Ausstellung (Führungsbeitrag 3,-). Den aktuellen Veranstaltungskalender mit Workshop-Terminen finden Sie unter KUNSTVERMITTLUNG >>
Gratis Shuttlebus
Besucher können das Essl Museum bequem mit einem kostenlosen Shuttle-Bus von Wien, Albertinaplatz 2, erreichen (10.00, 12.00, 14.00, 16.00 Uhr) und retour nach Wien (11.00, 13.00, 15.00, 18.00 Uhr).
Pressebilder
Presse-Bilder sind auf Anfrage im Pressebüro oder unter PRESSE >> erhältlich.
Presseanfragen
Erwin Uhrmann (Leitung), uhrmann@essl.museum, +43 (0) 2243/370 50 60
Regina Holler-Strobl, holler-strobl@essl.museum, +43 (0) 2243/370 50 62
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updated: 08.09.2011
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