IR/REAL
Tendenzen des Realismus in Österreich ab 1945
18.02.05 – 25.01.2006, Schömer-Haus
Kuratoren: Agnes Essl & Andreas Hoffer
Von der Wiener Schule des Phantastischen Realismus mit Arik
Brauer, Rudolf Hausner, Anton Lehmden, Ernst Fuchs u. a. ausgehend
zeigt Agnes Essl realistische Tendenzen österreichischer
Kunst der Nachkriegszeit aus der Sammlung im Klosterneuburger
SCHÖMER-HAUS.
Die Schwerpunkte der Ausstellung liegen nicht nur auf dem phantastischen
Realismus der 1950er Jahre, sondern auch auf den 70er Jahren
mit Künstlern wie Wolfgang Herzig, Franz Zadrazil und Gottfried
Helnwein. Neuere Realismus-Strömungen werden beispielhaft
durch Werke von Johanna Kandl und Katrin Plavcak repräsentiert.
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ARIK BRAUER
Brennende Frau mit Blume (1966)
Öl auf Sperrholz mit Acrylgrund, 63 x 70 cm
Fotonachweis: Archiv Sammlung Essl
© Sammlung Essl Privatstiftung |
Um 1950 suchen viele junge Künstler in Österreich
nach einem eigenen stilistischen Weg. Anfangs orientieren sie
sich oft – auch auf Grund der Situation in der Nachkriegszeit
– an internationalen Strömungen, reflektieren den
Surrealismus und die gestisch abstrakte Malerei aus Paris und
New York.
Im Art-Club treffen sich zu dieser Zeit – später
ganz divergierende Künstler – auf einem Foto von
1952 stehen z.B. Wolfgang Hutter, Anton Lehmden, Josef Mikl
und Arnulf Rainer in Eintracht beisammen. Rainer wendet sich
nach einer Phase der Auseinandersetzung mit dem Surrealismus
ähnlich wie Josef Mikl der abstrakten Malerei zu. Diese
zwei Künstler gruppieren sich, neben Hollegha und Prachensky,
um die Galerie nächst St. Stephan und beziehen dadurch
eine klare Position gegen die Wiener Schule des phantastischen
Realismus, der Hutter und Lehmden zugehören.
Die "Wiener Phantasten" werden zunächst beeinflusst von
Surrealismus und Jugendstil und lassen Merkmale dieser Stile
in ihre eigene Kunst einfließen. Mythologisches, Fabelwesen,
kosmische Träume, erotische Phantasien und Weltuntergangsvisionen
bestimmen thematisch die sonst recht unterschiedlichen Auffassungen
erzählerischer Malerei.
WOLFGANG HERZIG
Die Badenden (1973)
Öl auf Leinwand, 150 x 206 cm
Fotonachweis: Stefan Fiedler –
Salon Iris, Wien
© Wolfgang Herzig
In den 70er Jahren reagieren in Österreich so unterschiedliche
Künstler wie Wolfgang Herzig, Gottfried Helnwein und Franz
Zadrazil auf die in den 60er Jahren die Kunstszene dominierenden
Abstrakten. Gleichzeitig ist die erzählerische Struktur
der Malerei in dieser Zeit oft viel klarer, von einer allzu
großen Bedeutungsaufladung gereinigt und damit auch von
den "Wiener Phantasten" weit entfernt. Franz Zadrazil zeigt
z.B. in seinen akribisch fotorealistischen Stadtbildern die
Bildrealität der Fotografie mit den Mitteln der Malerei
und reflektiert damit internationale Fragestellungen des Realismus.
Die aufwändigen Figurenkompositionen von Wolfgang Herzig
verweisen oft mit Härte, Ironie und Sarkasmus auf gesellschaftliche
Realität. Noch weiter geht etwas später Gottfried
Helnwein mit seinen hyperrealistischen Porträts, die fotografische
Genauigkeit mit Referenzen an den Wiener Aktionismus (bandagierte,
wundgezeichnete Köpfe) verbinden.
Auch bei der Malerei von Peter Sengl treffen wir auf das Arsenal
sado-masochistischer Folterinstrumente, in die seine Figuren
eingespannt sind. Seine Bildrealität ist aber nicht so
von der Oberfläche und eindeutiger Erzählung bestimmt,
sondern lebt vielmehr von Brüchen, Andeutungen und Mehrdeutigem.
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KATRIN PLAVCAK
Double (2004)
Öl auf Molino, 150 x 120 cm
Fotonachweis: Galerie mezzanin, Wien
© Katrin Plavcak |
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In den 90er Jahren gewinnt –
nach einer Phase stark theoriebezogener Kunstdiskussion –
auch eine figürlich-realistische Malerei wieder an Bedeutung.
Johanna Kandl steht für eine projektbezogene, kontextuelle
Malerei in der sie gesellschaftspolitische Inhalte reflektiert.
Beide hier ausgestellten Arbeiten beziehen sich auf die Sammler:
"Fritze Lacke" z. B. steht für die Verdrängung von
Einzelhandelsunternehmen durch Baumarkt Ketten; das andere
Werk zeigt einen Atelierbesuch der Sammler bei der Künstlerin.
Die Arbeiten von Katrin Plavcak, der jüngsten Künstlerin
in der Ausstellung, zeigen eine pluralistische, von Facetten
heutiger Realität bestimmte Malerei. Sie verwendet unterschiedlichste
Bildvorlagen und sampelt sie gleichsam zu einer neuen Realität. |
Künstler/innen in der Ausstellung
Arik Brauer, Josef Bramer, Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Gottfried
Helnwein, Wolfgang Herzig, Wolfgang Hutter, Anton Lehmden, Johanna
Kandl, Katrin Plavcak, Peter Pongratz, Peter Sengl, Franz Zadrazil,
Robert Zeppel-Sperl
Presse-Echo
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