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ESSL AWARD EXHIBITION 2007
Essl Award für Zentral- und Osteuropa. Die Gewinner

05.12.2007 – 10.02.2008

Eröffnung: 04.12.07, 19.30
Projektleitung und
Ausstellungsorganisation:
Daniela Balogh, Silvia Köpf, Andreas Hoffer
Ausstellungsort: Essl Museum, Galerien


Der "Essl Award für Zentral- und Südosteuropa" wird alle zwei Jahre verliehen. Die Werke der Preisträger des Essl Awards 2007 zeichnen sich durch mediale Vielfalt und spannende künstlerische Ansätze aus. Konzeptionelle Arbeiten, Malerei, Fotografie, Video und spektakuläre Installationen geben Einblicke in die zeitgenössische junge Kunstszene der zentral- und südosteuropäischen Länder.

In Zusammenarbeit mit Kunstakademien in Kroatien, Slowenien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn sowie bauMax und den Versicherungsgesellschaften der Vienna Insurance Group in diesen Ländern widmet sich der Essl Award zum zweiten Mal der Förderung junger künstlerischer Talente. Aus den digital eingereichten Bewerbungen der Studenten des für alle Medien offenen Bewerbs, wurden von einer internationalen Jury für jedes Land 10 Nominees gewählt. In Gruppenausstellungen in den einzelnen Ländern präsentierten sich im April 2007 die nominierten Künstlerinnen und Künstler der Öffentlichkeit. Als Ausstellungsorte konnten namhafte Institutionen gewonnen werden wie die Nationalgalerie von Slowenien in Ljubljana, das Ludwig Museum in Budapest oder die Glyptothek in Zagreb. Im Rahmen der Ausstellungseröffnungen traf die Jury zusammen und entschied sich vor den Originalen für die Preisträger des Essl Awards 2007. Außerdem sprach das Sammlerpaar Agnes und Karlheinz Essl für die Ausstellung im Essl Museum eine Reihe von Special Invitations aus.

In jedem Land wurde ein erster und zweiter Preis verliehen, der jeweils mit 4000 und 3000 Euro dotiert ist. Teil der Auszeichnung ist die Ausstellung aller Preisträger im Essl Museum, zu der ein Katalog in Deutsch und Englisch erscheint. Die Ausstellung präsentiert die Preisträger im Länderkontext. In einer kleinen "Ausstellung in der Ausstellung" werden Arbeiten von Preisträgern miteinander in einen direkten künstlerischen Dialog gesetzt, der sich über Grenzen hinwegsetzt.


TSCHECHIEN

1. Preis
Tomáš Džadoň lebt und arbeitet in Prag. Zentrales Thema seiner Werke ist der Konflikt kultureller Traditionen in einem veränderten gesellschaftlichen Umfeld. Džadoň formuliert diese Veränderungen auf hintergründige Weise. So versteckt er in "Hyperlink" (2006) in einem lacktierten Kubus, dessen minimalistische Form und perfekte Oberfläche alles andere erwarten lässt, den Speck seiner Großmutter. Der Duft von Geräuchertem irritiert im „white cube“. Die Auseinandersetzung mit der tschechischen Kultur findet sich auch in der konzeptionellen Arbeit "Folk Architecture Monument" (2006), bei der er eine traditionelle tschechische Holzscheune auf einen kommunistischen Plattenbau setzt.


2. Preis
Jakub Nepraš, bereits 2005 unter den Nominees des Essl Awards, konnte die Jury mit seinen "Videomalereien"überzeugen. In "Babylon Plant“"(2006), einer technisch aufwendigen digitalen Videocollage, porträtiert er die komplexe moderne Gesellschaft im Spiegel mikroorganischer Strukturen einer Pflanze. In einem Myasmus kleinformatiger Bilder, die von weitem betrachtet nur aus Bewegung zu bestehen scheinen, beschreibt der Künstler Szenen aus dem urbanen Umfeld. Die Bilder werden in organischen Formen arrangiert, die an vegetabile Zellstrukturen denken lassen und die eine riesenhafte Pflanze bilden. Menschen- und Verkehrsströme erinnern an die Vibrationen von Mikroorganismen. Nepraš: "Meine Intention ist es die Beziehungen der eng vernetzten Welt, in der wir leben, zu studieren, daraus zu lernen und außergewöhnliche, verborgene Schwingungen sichtbar zu machen."

Džadoň Jakub Nepraš Eva Koťátková
Tomáš Džadoň
SUPER FLAT, 2007
Polyurethan-Holz, Stahlkonstruktion, Elektromotor, Sensor
Jakub Nepraš
Babylon Plant(Detail), 2006
Digital Video Collage, Ed. 7/7
2:50 min
Eva Koťátková
Set-Up No.1, 2006
Mischtechnik (Metallkonstruktion, Alltagsobjekte)


SLOWAKEI

1. Preis
Der Fotografin Andrea Kalinová gelingt es gesellschaftspolitische und soziale Themen in eindringliche Bilder zu übersetzen. Auch wenn die sozialen Probleme, die die Künstlerin anspricht, auf den ersten Blick vertraut erscheinen, gilt ihr Interesse dabei sekundären, scheinbar marginalen Aspekten. In der 9-teiligen Serie „Homeless Re(a)lity“ (2003-2006) setzt sie sich in subtiler Weise mit dem Problem von Obdachlosigkeit auseinander. Um soziografische Klischees zu vermeiden, sind die Fotos menschenleer. Stattdessen versieht die Künstlerin die Bilder mit Piktogrammen aus der Fremdenverkehrswerbung, die Armut und Hoffnungslosigkeit in einer Wohlstandsgesellschaft noch deutlicher sichtbar werden lassen. In ihren vielschichtigen Arbeiten überschreitet sie Mediengrenzen und nutzt unterschiedliche Ausdrucksformen.


2. Preis
Ein zentrales Thema von Veronika Šramatyová ist die Auseinandersetzung mit der Bedeutung und dem Stellenwert von Kunst innerhalb der Gesellschaft. In der Serie „Entries“ (2003/2007) reiht Šramatyová die Hauseingänge jener Häuser aneinander, in denen sie bisher gelebt hat. Die Malerei ist aufgrund des fotorealistischen Ansatzes und des Formats kaum von Fotografie zu unterscheiden. Genötigt das Bild genauer ins Auge zu fassen, wird der Betrachter Schritt für Schritt an den Moment des Erkennens und Entdeckens herangeführt. Die lineare Hängung der kleinformatigen Bilder verwandelt diese gesammelten Erinnerungen in eine konzeptuelle Serie von unpersönlichen Dokumentarbildern. Die Videoarbeit "White paper"(2000) dokumentiert eine Aktion, bei der die Künstlerin unbeschriftete weiße Flugblätter in Hausbriefkästen warf und auf der Straße an überraschte Passanten verteilte.

Andrea Kalinová
Veronika Šramatyová
Mira Gáberová
Andrea Kalinová
Homeless re(a)lity, 2003-2006
Aus einer 9-teiligen Serie
Digital Prints
Veronika Šramatyová
Entries, 2003/2007
Aus einer 23-teiligen Serie
Aquarell auf Papier
Mira Gáberová
Forever, 2006
Video
3:40 min


UNGARN

1. Preis
Die konzeptionellen Arbeiten von Ádám Albert setzen sich mit Themenbereichen wie Wahrheit, Realität und Illusion auseinander. In "O. T." (2006/2007) entwirft Albert Imitate von Straßenschildern, die in Größe, Material und Emailbehandlung mit Objekten in den Straßen von Budapest übereinstimmen. In dem er den Schildern ein eigenständiges und elegantes grafisches Design verleiht, hinterfragt Albert die Ordnungsregeln der Gesellschaft. Sein besonderes Interesse gilt dem Verlust der Privatsphäre. Durch den Einsatz unterschiedlicher elektronischer Geräte, wie Kameras, Antennen und Mobiltelefone, veranschaulicht er die permanente Überwachung in einer globalen Konsumgesellschaft.


2. Preis
Dániel Horváth vereint durch den offenen Charakter seiner Malereien ein breites Spektrum an Bedeutungen. Die Kombination verschiedener Vorder- und Hintergründe erlaubt ihm ein irritierendes Spiel mit der Realität. So wird in "Lego II." (2006) ein Lego-Baum in einen zurechtgestutzten Barockgarten gestellt – dabei ist nicht mehr klar, ob es sich etwa um einen Lego-Baum auf einer Bühne oder um eine abstrakte Landschaft mit einem symbolischen Baum handelt. Die realistischen Aspekte werden Schritt für Schritt aus den Bildern reduziert, nur wenige imitative Elemente bleiben übrig. Mit dem Mittel der Ironie bricht der Künstler die Illusion des Betrachters und erzeugt Stimmungen, die vom Dramatischen, Fabelartigen bis hin zum Grotesken reichen.

Miklós Kiss Eszter Sipos Dániel Horváth
Miklós Kiss
Utazóládák / Trunks, 2006 (Detail)
Installation (Holzkiste, Öl auf Leinwand, Spiegel
Eszter Sipos
Drew és a többiek a moziban / Drew and the others in the movie, 2007
Acryl, Öl auf Leinwand
Dániel Horváth
Tájkép / Landscape, 2007
Öl auf Leinwand


SLOWENIEN

1. Preis
Velibor Barišič thematisiert gesellschaftliche Verhaltensmuster und Alltagsroutinen, die er subversiv kritisiert. Seine Arbeit „ppp BoX Museum“ (2007) ist eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunstpraxis in der global vernetzten Welt. Kleine weiße Kästchen in der Größe von Briefkästen wurden in ein Gucklochmuseum umgewandelt. Barišič lädt Freunde von einer Streetart-Grafitti-Gruppe ein, die Ausstellung in den Kästchen zu kuratieren, der Künstler selbst fungiert dabei als Museumsdirektor. In der interaktiven Installation "Prototrip" wird der Begriff des Shoppings aufgegriffen. Ein Einkaufswagen wird ähnlich einem Auto oder Motorrad einem "Pimping" unterzogen, also mit Monitoren, Soundsystem, applizierten Symbolen und Farben aufgepeppt. Mit dieser Arbeit fordert der Künstler die Betrachter auf, ganz bewusst an den Ritualen der Konsumgesellschaft teilzunehmen und letztlich festzustellen, dass es Spaß macht.

2. Preis
Ana Sluga setzt sich in ihren höchst sensiblen Videoarbeiten mit Zerstörung, Brutalität und Selbstverleugnung auseinander. In "Away“"(2006) wird die materielle Zerstörung eines Gebäudes mit klassischer Musik untermalt. Schwarzweiße Bilder in Zeitlupenaufnahmen erzeugen mit der Musik eine melancholische Atmosphäre, die den brutalen Abriss seltsam und iritierend stilisiert. In "Homo Faber" (2007) werden in Zeitlupe die Bewegungen eines Kleinkinds gezeigt, das Videobild wirkt fast malerisch. Das Kind steht für Reinheit, Unerfahrenheit und Abwesenheit von Korruption. Durch den Titel "Homo Faber" assoziieren wir aber auch den erwachsenen schaffenden Menschen, mit all seinen Fehlern.

Velibor Barisˇicˇ
Ana Sluga Mark Pozˇlep
Velibor Barišič
ppp BoX Museum (www.pppbox.eu), 2007
Mischtechnik (Holz, Acryl, Guckfenster, LED-Dioden)
Ana Sluga
Eco – Ego, 2007
aus einer 4-teiligen Serie, Pigment Ink Jet Print
Mark Požlep
Breakthrough of Crni Seshir, 2007
Gemälde (Acryl und Öl auf Leinwand, 220 x 200 cm), Video (8:03 min), Puch Motorrad, Pappfigur, 12 Plastikfiguren


KROATIEN

1. Preis
Tonka Maleković überzeugte die Jury vor allem durch die konzeptionelle Kraft Ihrer Installationen und der kritischen Dimension ihrer Arbeit. In „Quarantine“ (2007) dokumentiert sie den Säuberungsprozess urbaner Räume. Plakate, die sie im Stadtraum findet, sammelt sie ein und stapelt sie in 70 cm großen Plexiglaswürfeln. Deren Präsentation im musealen Kontext steht in bewusstem Einklang mit den allgegenwärtigen, laut Malekovic´ aseptischen Werbemedien, wie städtische Beleuchtung, Plakatwände oder Wallscapes.

2. Preis
Zlatan Vehabović ist ein technisch brillanter Maler, der unsere globalisierte Welt in stimmungsvollen, sentimentalen Kompositionen einfängt. Für seine großformatigen figurativen Gemälde wählt er Motive aus der Kindheit. Dargestellt sind bewusst öde, geheimnisvolle Kindheitsräume, die von Spiel, Neugierde und dem Wunsch den freien Raum zu erobern und zu fliehen, geprägt sind. Vehabović´s manieristischer Malstil und sein Einsatz kühler Farbtöne erwecken ein Gefühl des Unbehagens und des Misstrauens gegenüber dem materialistischen Umfeld der Jetztzeit.

Tonka Malekovic´ Nina Kurtela Zlatan Vehabovic´
Tonka Maleković
Polyptych, 2005 (Detail)
Digital Prints auf Kapafix

Nina Kurtela
KUPER KAVIJAR GTX, 2006
Auto, Inkjet-Druck auf Leinwand, Stickers,
Spray, Textilien, Acryl, Spiegel, Glas, Kaviar

Zlatan Vehabović
My Home is Nowhere Without You, 2007
Öl auf Leinwand


Die ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler:

1. Preis: Ádám Albert (HU), Tomáš Džadoň (CZ), Andrea Kalinová (SK), Velibor Barišič (SLO), Tonka Maleković (HR)

2. Preis: Dániel Horváth (HU), Jakub Nepraš (CZ), Veronika Veronika Šramatyová (SK), Ana Sluga (SLO), Zlatan Vehabović (HR)

Special Invitations: Eszter Sipos (HU), Miklós Kiss (HU), Eva Koťátková (CZ), Michael Černušák (SK), Mira Gáberová (SK), Mark Požlep (SLO), Nina Kurtela (HR)


Jury

Agnes und Karlheinz Essl (Essl Museum), René Block (Kurator, D), János Sturcz (Hungarian University of Fine Arts, Budapest, HU), Jiří Ševčík (Academy of Fine Arts in Prague, Praha, CZ), Daniel Fischer (Academy of Fine Arts and Design, Bratislava, SK), Nadja Zgonik (Academy of Fine Arts and Design, Ljubljana, SLO), Peruško Bogdanić (Academy of Fine Arts, Zagreb, HR)


Katalog

  Katalog   ESSL AWARD 2007 for central and southeast Europe

Deutsch und Englisch. 128 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen.
Mit Texten von Agnes & Karlheinz Essl und GD Dr. Günter Geyer.

Edition Sammlung Essl Privatstiftung: Klosterneuburg 2007
€ 19,50
ISBN 978-3-902001-39-9


Presse

Nina Auinger : +43 (0)2243 - 370 50 60,
auinger@essl.museum,
www.essl.museum



ESSL MUSEUM - KUNST DER GEGENWART

An der Donau-Au 1, A-3400 Klosterneuburg / Wien
Öffnungszeiten: DI – SO 10.00 – 18.00, MI 10.00 – 21.00, Eintritt frei ab 18.00


GRATIS BUSTRANSFER

>Free Busshuttle to Essl Museum< Dienstag - Sonntag
Von Wien 1., Albertinaplatz 2 zum Essl Museum um 10.00, 12.00, 14.00, 16.00 Uhr
Vom Essl Museum nach Wien 1., Albertinaplatz 2 um 11.00, 13.00, 15.00, 18.00 Uhr

updated: 10.05.2010