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Essl Award für Zentral- und Südosteuropa

Essl Award Logo


Projektleitung: Sini Zein, Andreas Hoffer

Ausstellungsdauer: 11.11.2005 – 29.01.2006


2005 erstmals von der Sammlung Essl und bauMax verliehen, fördert der Essl Award Kunststudentinnen und -studenten an Partnerakademien in den Ländern Kroatien, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Eine internationale Jury verlieh in jedem Land zwei Preise aus mehr als 300 Einreichungen in den Medien Malerei, Video, Fotografie und Skulptur (Hauptpreis EUR 5.000, Zweiter Preis EUR 2.000). Der Essl Award 2005 findet unter dem Ehrenvorsitz von Dr. Erhard Busek statt, Leiter des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM). Zukünftig wird der Essl Award alle zwei Jahre ausgeschrieben.

In der Sammlung Essl sind ab 11. November erstmals im Rahmen einer gemeinsamen Ausstellung die Werke aller Preisträgerinnen und Preisträger zu sehen. Zusätzlich wurden zwei weitere Künstler von Prof. Karlheinz Essl aufgrund der überzeugenden Qualität ihrer Arbeiten zur Teilnahme an dieser Ausstellung eingeladen (Special Invitations).


Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:


Kroatien:
Miroslav Mirt (1. Preis), Nikola Kovač (2. Preis)

  Miroslav Mirt

Miroslav Mirt: Recycling-Behälter (2005)
9-teilige Installation (Detail), 200x 200 cm
Foto: Kristina Lenard, © by Miroslav Mirt

  Nikola Kovač

Nikola Kovač: Koornament system (2004)
6-teilige Serie: Koornament system 1 (Lichtbox, 70 x 100 cm)
Foto & © by Nikola Kovač

Miroslav Mirt und Nikola Kovač thematisieren in ihren Arbeiten die Grenzen zwischen Kunst, Kitsch und Dekor: Mirt arbeitet mit radikalen Untersuchungsmethoden und einem strengen, wissenschaftlich-ordnenden Konzept. Als Grundlage seiner analysierenden Auseinandersetzung dienen Kitscharbeiten, die Repräsentanten/Surrogate für die “hohe Kunst“ sind.

Hinter den Digitaldrucken und Leuchtboxen von Kovač steht der Wunsch, das Ornament in der zeitgenössischen Kunst zu verankern, ohne diese jedoch dem Dekorativen preiszugeben. Die Anhäufung verschiedenster Bildelemente in Kombination mit dem Einsatz von Leuchtboxen, die mit der Ästhetik von Computerbildschirmen und Werbemitteln wie Citylights spielen, verstärkt die Assoziation einer massenmedialen Bilderflut.



Ungarn:
Ágnes Tóth (2. Preis), Ágnes Verebics (2. Preis)

  Ágnes Tóth

Ágnes Tóth: Zweifel (2004)
Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm
Foto & © by Ágnes Tóth

  Ágnes Verebics

Ágnes Verebics: Gesichter (2004)
12-teilige Serie, Öl auf Plastik, je 200 x 60 cm
Foto & © by Ágnes Verebics

Ágnes Tóth beschäftigen elementare Gefühlszustände. In ihren Bildern rückt sie halbnackte zarte Frauen und intime Momente in grelles Scheinwerferlicht. Die Zurschaustellung vor industriell-öffentlichen bzw. leeren Hintergründen verstärkt die Einsamkeit und Verlorenheit der Figuren. Die Bildtitel abstrahieren die detailgetreu beobachteten Individuen zu Repräsentanten allgemeiner existenzieller Zustände.

Durch das Umschlagen des durchsichtigen Bildträgers (Plastikfolie) entsteht hinter den expressiv gemalten Porträts von Ágnes Verebics eine zusätzliche Bildebene. Der umgebende Raum und die jeweilige Lichtsituation werden eingebunden, Dreidimensionalität und Illusionismus somit forciert.



Slowakei:
Dorota Kenderová (1. Preis), Martin Sedlák (2. Preis)

  Dorota Kenderová

Dorota Kenderová: Im TV (2003)
Installation: 5 Monitore, 5 Videos
Videostill
© by Dorota Kenderová

  Martin Sedlák

Martin Sedláks: Der Blick ins Paradies (2004)
Elektrische Leuchtfolie, Klebestreifen, Gips
Foto: Nina Gažovičová & Martin Sedlák
© by Martin Sedlák

In der Videoinstallation “On TV“ interveniert Dorota Kenderová als “Frauen-Virus“ im staatlichen Fernsehen. Immer wieder taucht sie im Hintergrund von Nachrichtensendungen und Interviews mit bedeutenden Persönlichkeiten auf, stets an ihrem weißen Gewand erkennbar.

Mit Hilfe von dünnen Streifen elektrischer Leuchtfolie “malt“ Martin Sedlák installative Lichtobjekte an Wände. Der gegenstandslosen Darstellung und Flächigkeit der Folien zum Trotz öffnet sich ein illusionistischer Raum hinter jener Wand, an der die Installation aufgeklebt ist. Sedlák stellt einen Rahmen für die Imagination des Betrachters zur Verfügung.



Slowenien:
Julij Borštnik (1. Preis), Mark Požlep (2. Preis)

  Julij Borštnik

Julij Borštnik: Walze des Kapitalismus (2005)
Karton, 160 x 300 cm
Foto: Mark Požlep, Julij Borštnik
© by Julij Borštnik

  Mark Požlep

Mark Požlep: Städte (2004)
Installation: Acryl auf Holz & Videos, 180 x 400 cm
Foto: Mark Požlep
© by Mark Požlep

Der “Roller of Capitalism“ von Julij Borštnik thematisiert ein sich selbst reproduzierendes System aus Bürokratie, Globalisierung und Kapitalismus, das sich dabei stets nur im Kreis dreht. Die ausladende Skulptur präsentiert sich im Gegensatz zur Inhaltsschwere als fragile Installation aus Karton, einem in der Skulptur selten verwendeten, “armen“ Material.

In der medienübergreifenden Arbeit “Cities“ von Mark Požlep verschmelzen Malerei, Zeichnung, Graffiti, Collage, Objet trouvé und Video. Darin verarbeitet Požlep visuelle Eindrücke seiner zahlreichen Städtereisen.



Tschechien:
Kateřina Šedá (1. Preis), Ondřej Brody (2. Preis)

  Kateřina Šedá

Kateřina Šedá: Da ist nichts da (2003)
Soziales Spiel (Aktion, Dokumente, Video)
Videostill: © by Kateřina Šedá

  Ondřej Brody

Ondřej Brody: ARTSTAR (2004)
Video 2:35 min
Videostill: © by Ondřej Brody

Die Arbeiten von Kateřina Šedá sind in erster Linie soziale Projekte. In ihnen stehen die Aktion und die Zusammenarbeit mit den Menschen im Vordergrund, die Dokumentation dieser Begegnungen bzw. deren Präsentation (Ausstellung) sind dabei zweitrangig. In “Da ist nichts da“ studierte sie die soziale Struktur eines Dorfes und synchronisierte in einer gemeinschaftlichen Aktion die alltäglichen Tätigkeiten aller Bewohner sowohl inhaltlich als auch zeitlich. Das Ergebnis ist ein Videodokument, in dem die unsichtbare Normalität des Alltags durch Multiplikation plötzlich sehr befremdlich wirkt.

Ondřej Brody hinterfragt in vielen seiner Arbeiten (kultur)politische Machtstrukturen, wobei sein Augenmerk vor allem auf die Grundbedingungen und -freiheiten der Kunst gerichtet ist. “Artstar“ zeigt den Ausschnitt aus einer tschechischen Fernsehsendung mit dem Titel “Tschechien sucht nach einem Kunststar“, an der Brody teilnahm. Das Videodokument wird in seiner Präsentation als Kunstwerk zu einem kritischen Statement über die zur Massenunterhaltung degradierte, oberflächliche Reflexion über Kunst.


Special Invitations: Marián Grolmus (Slowakei), Gašper Jemec (SIowenien)


Katalog

  Katalog   Essl Award 2005

Deutsch und Englisch. 128 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Mit Texten von Karlheinz Essl, Erhard Busek, René Block, Sini Zein, Radek Horaček , Jana Geržová, Julia Fabényi, Petja Grafenauer Krnc und Nataša Ilic.

 

Edition Sammlung Essl Privatstiftung: Klosterneuburg 2005
€ 19.50
ISBN 3-902001-25-9

updated: 10.05.2010