CHINA NOW
Kunst in Zeiten des Umbruchs
15.09.06 – 25.02.2007
Kurator: Feng Boyi
Die Ausstellung >CHINA NOW<, 15.09.06 –
28.01.07 bietet erstmals in Österreich die Gelegenheit, das
explosive Potenzial heterogener künstlerischer Positionen
in der chinesischen Gegenwartskunst zu vergleichen. Feng Boyi,
unabhängiger Kurator und Kritiker, Mitglied der “China
Artists’ Association“, präsentiert in der Sammlung
Essl über 100 Werke von 42 Künstler/innen. Alle Medien
der zeitgenössischen Kunst sind vertreten, neben Malerei
und Fotografie auch raumgreifende Installationen und Video.
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ZHANG BIN
Fly (2004)
Öl auf Leinwand
150 x 180 cm
© Zhang Bin
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CHI PENG
Sprinting Forward 2 (2004)
Digital Print, Ed. 10/10
126 x 158 cm
© Sammlung Essl Privatstiftung,
Courtesy Alexander Ochs Galleries, Berlin/Beijing
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Diese Werke zeichnen die wichtigsten Entwicklungen
der chinesischen Avantgarde in sieben thematisch gegliederten
Räumen nach, ein Großteil der Werke stammt aus den
Beständen der Sammlung Essl. Prof. Karlheinz Essl setzt sich
seit den späten 1990er Jahren mit chinesischer Kunst auseinander.
Werke, die er in den letzten Jahren bei seinen Atelierbesuchen
in Shanghai und Beijing angekauft hat, bilden die Basis dieser
Ausstellung, bedeutende Leihgaben aus China und Europa ergänzen
die Schau.
Die zeitgenössische Kunst ist in China ein extrem junges
Phänomen. Erst seit den 1990er Jahren und im Zuge
politischer und gesellschaftlicher Umbrüche vollziehen chinesische
Avantgarde-Künstler einen langsamen und von zahlreichen Rückschlägen
gezeichneten Weg vom „Underground“ zu internationalen
Shooting Stars. Die Künstlerinnen und Künstler setzen
sich kritisch bis humorvoll mit den Veränderungen der chinesischen
Gesellschaft auseinander, mit Kapitalismus, Globalisierung, dem
Spannungsfeld zwischen Masse und Individuum, aber auch mit der
westlichen Kunst. Elemente traditioneller chinesischer Kunst fließen
ebenso ein wie Symbole des lange praktizierten Sozialistischen
Realismus.
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YUE MINJUN
Free and Leisure 7 (2004)
Acryl auf Leinwand
140 x 160 cm
© Sammlung Essl Privatstiftung
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WANG DAJUN
Image of Children No. 19 (2005)
Öl auf Leinwand
110 x 140 cm
© Wang Dajun
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Die sieben Themen der Ausstellung:
Rebellischer Spott
Während der Phase des Umbruchs in China brachen einige Künstler
schon sehr früh aus dem System der Planwirtschaft aus. Mit
rebellischem Spott betonen sie die Individualität des Menschen
und kritisieren die herrschende Ideologie. Künstler wie Wang
Guangyi oder Wang Dajun spielen in ihren Arbeiten sowohl
mit dem pop-sprachlichen Stil der chinesischen sozialistischen
Propagandaposter als auch mit der Ästhetik von Werbeplakaten
der Konsumgesellschaft. Fang Lijuns Bilderserie der Glatzköpfe
und Yue Minjuns grinsende Gestalten legen mit ihrem humorvollen,
absurden Ansatz den Finger auf die Wunden der chinesischen Gesellschaft,
und Zhang Xiaogangs “Bloodline Series“ reflektiert
über die Familie, die Erinnerung und den Stellenwert der
chinesischen Kultur.
Gebrochene Leidenschaft
Anfang der 1990er Jahre begann eine Gruppe von vor allem jungen
Künstlern verstärkt neue Ausdrucksmöglichkeiten
einzusetzen. Gebrochene Leidenschaft und ursprüngliche, impulsive
Kraft versprühen die Ölbilder Yang Shaobins,
die Fotoarbeiten Ai Weiweis und die aktionistischen S/W
Fotos des Performancekünstlers Rong Rong.
Individuelle oder kollektive Erfahrung und Erinnerung
Sowohl die individuelle als auch die kollektive Erfahrung und
Erinnerung bieten Künstlern wie Li Songsong, Hai Bo oder
auch dem Künstlerpaar Shao Yinong & Muchen einen
kreativen Fundus, aus dem sie schöpfen können. Sie beurteilen
aktuelle Veränderungen, indem sie diese historischen Entwicklungen
gegenüberstellen. So bringen sie ihre eigene Haltung angesichts
solcher Veränderungen zum Ausdruck. Diese sind zutiefst individuelle
und persönliche Erfahrungen, gleichzeitig aber auch die kollektive
Erfahrung einer ganzen Generation.
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HAI BO
They No. 6 (1999)
Fotografie, Handabzug Ed. 7/8, (2-teilig)
je 122 x 178 cm
© Sammlung Essl Privatstiftung
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Der Widerhall der Stadt
Im kulturellen Kontext des heutigen China mutiert die "Stadt“
immer mehr zu einem Kristallisationspunkt in der Aufmerksamkeit
von Künstlern. Der Prozess der Urbanisierung gilt nicht nur
als symbolischer Ausdruck und materielle Ausprägung der in
China stattfindenden Modernisierung, sondern auch als Medium,
das die Entwicklung eines neuen humanistischen Wertesystems beschleunigt.
Für einige Künstler, wie z.B. Miao Xiachun oder Zhang
Dali, bildet das Erkennen, Reflektieren und Kritisieren dieser
Zustände den künstlerischen Ausgangspunkt ihrer Arbeiten.
Die authentischen, sehr direkten Beschreibungen und Darstellungen
dieser Künstler, so etwa Xiauchuns fotografische Stadtlandschaften
oder Dalis aufwändige Figureninstallationen, schaffen eine
moderne Landschaft der spezifisch chinesischen Urbanisierung.
Ein prachtvolles Chaos
Der sich momentan mit Begeisterung vollziehende Aufschwung Chinas
hat seinen Ursprung in einem neuen chinesischen Traum: jeder Mensch
hat die Möglichkeit zum persönlichen Erfolg und kann
dank seiner Fähigkeiten die eigene Zukunft gestalten. Das
definiert die Landschaft des neuen China: Es ist das Ergebnis
eines nie da gewesenen Wandels und daher von Widersprüchen
und Problemen geprägt. Nichtsdestotrotz befindet sich dieses
neue China in einem Zustand voller Vitalität und Optimismus.
Es ist kein stehendes Gewässer, sondern ein überbordendes,
prachtvolles Chaos. Bezeichnend dafür sind etwa Liu Weis
chinesische Landschaftsbilder – bestehend aus menschlichen
Gliedmaßen und Hinterteilen.
Der dritte Raum
Chinesische Künstler die im Ausland leben oder international
tätig sind, wie z.B. Qin Yufen und Xu Bing,
bewegen sich in ihrem künstlerischen Schaffen in einer „Grenzzone“
zwischen der Kultur ihres Heimatlandes China und ihrem Aufenthaltsort
im Ausland. Betrachtet man China als den „ersten Raum“
und das Ausland als den „zweiten Raum“, so ließe
sich die Grenzzone dazwischen als „dritter Raum“ interpretieren.
Es handelt sich um kulturelle und visuelle Erfahrungen, die diese
Künstler, wie etwa, im Zuge ihres Ortswechsels machen. Zudem
sind es auch kontrastreiche Erfahrungen, die sie als Teil der
aktuellen westlichen Kunst sammeln.
Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung
Die persönliche kreative Haltung und die künstlerischen
Arbeiten von Künstlern wie Chi Peng sind repräsentativ
für die aktuelle urbane Kultur, die bereits Teil der Massenkultur
geworden ist. Ihre Kunst steht auch für den psychischen Zustand
der neuen Generation in China, die in einem positiven Gefühl
schwelgt; sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie ständig
von ihren eigenen Wünschen ausgehen und mit großer
Aufrichtigkeit Freude, Schmerz, Liebe und Abscheu ausdrücken.
In einer von Marktwirtschaft geprägten Gesellschaft suchen
sie nach in Freiheit wurzelnden kreativen Möglichkeiten.
“Sprinting Fortward“, Pengs sehr dynamische Bilderserie
mit nackt laufenden Menschen, die von roten Flugzeugen verfolgt
werden, zeigt dies auf sehr eindrucksvolle Weise.
Katalog
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CHINA NOW
Deutsch und Englisch. 328
Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Mit Texten
von Karlheinz Essl und Feng Boyi, sowie Biografien und Kurztexten
zu allen 42 Künstler/innen.
Edition Sammlung Essl Privatstiftung: Klosterneuburg 2006
Ausstellungspreis € 35,00 (Bestellung per E-Mail)
ISBN-10: 3-902001-32-1, ISBN-13: 978-3-902001-32-0 |
Partner deS ESSL MUSEUM
bauMax AG / Café + Co International Holding
/ Donau Versicherungs-AG / Vienna Insurance Group / Siemens AG
Österreich / Telekom Austria AG / airtour austria
Medienpartner
Die Presse / Ö1
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updated: 09.08.2010
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